„Tiere sind Menschen gewöhnt“

Faszination Wüste: Insektenforscher über Ausstellung im Dez 

Steht seinen Tieren sehr nahe: Der Entomologe Christian Schweizer mit zwei Bartagamen. Foto: Malmus

Kassel. Chamäleons, Sandratten, Skorpione und Vogelspinnen sind ab Donnerstag, 24. Oktober, bis Samstag, 9. November, im Einkaufszentrum Dez zu sehen. Die Wanderausstellung „Faszination Wüste“, die von dem Schweizer Unternehmen Expovivo angeboten wird, ist zu Gast.

Sie zeigt Wüstentiere, die in der Sahara, Kalahariwüste oder der Wüste Gobi beheimatet sind. Die Ausstellung gibt zusätzlich Informationen über Pflanzen, Bevölkerung und Geografie der jeweiligen Region. Wir sprachen mit dem schweizerischen Entomologen (Insektenforscher) Christian Schweizer, der die Ausstellung koordiniert:

Woher kommen die Tiere, die in der Ausstellung gezeigt werden?

Christian Schweizer: Die Tiere leben in einem Basislager in der Nähe von Basel, wo wir sie selbst gezüchtet haben. Das heißt, die Tiere sind an den Menschen gewöhnt und nicht gestresst, wenn plötzlich Menschen durch die Scheibe ihres Terrariums schauen.

Was ist für die Tiere wichtig, wenn sie in Terrarien gehalten werden?

Schweizer: Die natürliche Umgebung muss gewährleistet werden. Dazu gehören die richtige Temperatur, Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere und spezielle Lampen, die für das UV-Licht sorgen. Das ist durch die Tierschutzbestimmungen vorgegeben. Dahinter steckt ein großer technischer Aufwand, um den Tieren gerecht zu werden.

Gibt es regelmäßige Kontrollen?

Schweizer: Unsere Wanderausstellung wurde vom Veterinäramt Köln bewilligt, womit wir die Genehmigung haben, in ganz Deutschland unsere Ausstellung zu zeigen.

Trotzdem sind die Tiere immer noch eingesperrt ...

Schweizer: Wenn Sie so argumentieren, dann könnten Sie jeden Zoo zumachen, richtig? Ich bin der Meinung: Was man nicht kennt, kann man nicht schützen. Wir versuchen, den Besuchern den schützenswerten Raum der Natur näherzubringen.

Werden auch giftige Tiere gezeigt?

Schweizer: Nein. Wo Menschen sind, können immer auch Fehler passieren - das Risiko wollen wir nicht eingehen. Wir wollen zeigen, wie faszinierend die Tiere sind, nicht, dass man Angst vor ihnen haben muss. Selbst die Skorpione können auf die Hand genommen werden.

Wo sind die Tiere im Winter?

Schweizer: Im Winter sind die Tiere im Basislager. Da machen wir eine größere Pause, da auch einige unserer Tiere, wie die Bartagamen, in den Winterschlaf gehen.

Warum sind solche Ausstellungen wichtig?

Schweizer: Wir haben gerade in Großstädten festgestellt, dass der Bezug zur Natur zum Teil dramatisch verloren gegangen ist. Unsere Botschaft ist, die Natur zu achten, und dafür ist diese Ausstellung die beste Plattform, weil wir so viele unterschiedliche Menschen erreichen können.

Von Miriam Linke

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