SPD-Politiker

Kritik an Schulz, Ja zur Großen Koalition: Kassels Abgeordneter Gremmels im Interview

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Seit Oktober 2017 Kassels Abgeordneter in Berlin: Timon Gremmels von der SPD.

Kassel. Der Kasseler Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels (SPD) hat Martin Schulz für seine Minister-Ambitionen kritisiert. Im Interview erzählt Gremmels von den Reaktionen darauf und was er von der Abstimmung über den Koalitionsvertrag erwartet.

Mit seiner Positionierung gegenüber dem ehemaligen Kanzlerkandidaten und designierten Außenminister Martin Schulz hat der Kasseler SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels am Mittwoch durchaus überrascht. Wir fragten den 42-jährigen Sozialdemokraten nach den Reaktionen und zu seinen Erwartungen, wie die SPD-Basis in Stadt und Kreis Kassel über den Koalitionsvertrag abstimmen wird.

Herr Gremmels, Sie haben klarer als andere Sozialdemokraten kritisiert, dass Schulz Minister werden will und damit ein Versprechen nicht einhält. Wie waren die Reaktionen?

Timon Gremmels: Dazu habe ich am Mittwoch alles gesagt. Jetzt sollten wir uns darauf konzentrieren, die SPD-Verhandlungserfolge in den Vordergrund zu stellen. Die SPD-Mitglieder stimmen beim Mitgliederentscheid schließlich über Inhalte ab.

Vertreten Sie mit ihrer Ansicht zu Schulz eine Minderheitenposition in der SPD?

Gremmels: Das müssen Sie andere fragen.

Vom Kanzlerkandidaten über den Oppositionsführer zum designierten Außenminister: Die Personalie Martin Schulz wird auch innerhalb der SPD kontrovers diskutiert. Das Bild zeigt Schulz während des Wahlkampfes auf dem Kasseler Königsplatz.

Sie bezeichnen den Koalitionsvertrag als klassischen Kompromiss. Was ist positiv?

Gremmels: Wir haben große Fortschritte in vielen Bereichen erzielt: Stärkung des Wohnungsbaus, elf Milliarden Euro mehr für Bildung, Verbesserungen in der Pflege, Einführung einer Mindestausbildungsvergütung, deutliche Einschränkungen bei befristeten Arbeitsverhältnissen, Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit, Einführung einer Grundrente und Familienentlastung. Dies wird vielen Menschen in ihrem Alltag ganz konkret helfen. Bestes Beispiel dafür: Der Soli fällt für 90 Prozent aller Steuerzahler weg. Außer für Topverdiener. Das spüren die Menschen im Geldbeutel.

Und bei welchem Thema haben Sie sich mehr erhofft?

Gremmels: In Sachen Ende der Zwei-Klassen-Medizin hätte ich mir größere Fortschritte gewünscht als die Einrichtung einer Kommission. Hier ist uns aber immerhin gelungen, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Krankenkassenbeiträge wieder zu gleichen Teilen zahlen.

Sie wollen bei der SPD-Basis nun um ein Ja zum Koalitionsvertrag werben. Wie wollen Sie das schaffen?

Gremmels: Nicht durch ein Machtwort, sondern durch Überzeugungsarbeit in intensiven Gesprächen und Diskussionen mit unseren Mitgliedern. Die SPD ist gewählt worden, um das Leben der Bürger ein Stück weit besser zu machen. Das ist mein Maßstab.

Wie viele SPD-Mitglieder in Stadt und Kreis stimmen für das Koalitionspapier?

Gremmels: Die Mitgliedervoten werden Anfang März in Berlin zentral ausgezählt. Es wird wie vor vier Jahren keine Ergebnisse für einzelne Kreise und Städte geben. Ich bin grundsätzlich ein Optimist und rechne mit einer Mehrheit.

Zur Person: Timon Gremmels

Timon Gremmels (42) ist seit Oktober 2017 Abgeordneter des Deutschen Bundestags. Mit 35,5 Prozent der Erststimmen setzte sich der Sozialdemokrat bei der Wahl 2017 als Direktkandidat im Wahlkreis 168 Kassel durch. Gremmels ist im Bundestag Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie im Petitionsausschuss. Seit April 2015 ist der Niestetaler Vorsitzender der SPD im Landkreis Kassel, seit 2011 ist er Beisitzer im SPD-Landesvorstand. Von 2009 bis 2017 war er Mitglied des Hessischen Landtags.

Kommentar: Plötzlich mutlos

Gremmels' ausweichende Antworten zur Causa Schulz sind vielsagend - und mutlos, kommentiert Florian Hagemann.

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