City Soccer Kassel

Kassel kickt in erster Liga: Tischfußballclub spielt vorn mit

Haben ihre Tischfußballkarriere in Kneipen gestartet: Der deutsche Meister der Senioren, Martin Landwehr, Christina Seewald und Robert Pilchowski (von links nach rechts) aus dem Vorstandsteam der City Soccer. Fotos: Fischer

Kassel. Tischfußball, den meisten als Kickern bekannt, ist nicht bloß ein Kneipensport. In Kassel gibt es mit den Vereinen City Soccer Kassel und TFC Kassel gleich zwei Clubs, in denen die Mitglieder professionell spielen. Begonnen haben ihre Karrieren aber alle an Kneipentischen.

Während beim KSV Hessen Kassel noch von der Bundesliga geträumt wird, spielt wenige Hundert Meter vom Auestadion entfernt der Verein City Soccer Kassel bereits in der 1. Tischfußball-Bundesliga der Herren.

Bei City Bowling an der Frankfurter Straße/Ecke Bosestraße trainieren die 24 Vereinsmitglieder und tragen dort ihre Heimspiele aus. Denn in dem Bowlingcenter rollen nicht nur die schweren Kugeln, sondern auch die kleinen auf Profi-Kicker-Tischen.

Aushängeschild des Vereins ist die erste Herren-Mannschaft. In ihr spielt auch Martin Landwehr (55), amtierender deutscher Meister der Senioren. Dass der Verein bereits ein gutes Jahr nach seiner Gründung auf Tabellenplatz 16 der 1. Tischfußball-Bundesliga steht, hat er dem Paderborner Landwehr zu verdanken. Dieser hatte seinen guten Tabellenplatz in den Verein eingebracht, nachdem sich sein alter Verein aufgelöst hatte. Im Tischfußball ist es möglich, eine Platzierung mitzunehmen, wenn der Verband zustimmt. Normalerweise müssen sich Vereine, wie auch im echten Fußball, Liga für Liga nach oben arbeiten.

„Für Tischfußball brauchst du null Talent, aber viel Fleiß, um die Technik zu erlernen“, verrät Christina Seewald aus dem Vorstand des Vereins. Sie ist eine von acht Frauen bei City Soccer Kassel, der auch eine Damenmannschaft in der 2. Bundesliga stellt.

Ihre ersten Spiele haben die Mitglieder in Kneipen absolviert. „Früher stand in jeder Kneipe ein Kickertisch, heute ist das nicht mehr so“, sagt Robert Pilchowski aus dem Vorstandsteam. Professionelle Tische mit Hohlstangen hätten ohnehin nur die Vereine. Vor jedem offiziellen Spiel wird der Tisch auf mögliche Neigungen mit einer Wasserwaage überprüft. So auch wieder bei der WM in Turin im April. Drei Teilnehmer aus Kassel reisen nach Italien.

Zuverlässiger Begleiter der Tischfußballer ist „Pronto“-Möbelspray. Mit dem Schmiermittel lassen sich die Kickerstangen geschmeidig machen. „Pronto verdient sicher mehr Geld mit Tischfußballern als mit der Möbelpflege“, sagt Pilchowski.

Unterstützt wird der Verein von City Bowling. Die Firma stellt die Trainings- und Spielstätte zur Verfügung. Bei ihren Zielen sind die City Soccer unbescheiden: „Wir wollen die beste Mannschaft Deutschlands werden“, sagt Landwehr und lacht. Der Verein freut sich über neue Mitglieder.

www.citysoccerkassel.de, Training Mi. und Fr., ab 18 Uhr. Freitags ist Neulingstraining. Mitgliedsbeitrag: 20 Euro/Jahr.

Eine Auswahl von Kneipen mit Kicker-Tischen:

• Hemingway Club, Obere Königsstraße 8

• Beat Bar, Holländische Str. 32

• Lolita Bar, Werner-Hilpert-Straße 22

• Mutter, Bunsenstraße 15

• Ulenspiegel, Goethestr. 30

• Xallo Bar, Königstor 47

• Fiasko, Schönfelder Straße 18

• Joe’s Garage, Friedrich-Ebert-Straße 60

• Irish Pub, Bürgermeister-Brunner-Straße 19

• Bar 39, Gottschalkstraße 39

Das sind die Regeln

• Wenn die Turnierleitung nicht anders entscheidet, besteht eine Partie aus 3 Gewinnsätzen. Jedes Spiel geht bis 5.

• Vor Spielbeginn wird eine Münze geworfen. Die Mannschaft, die gewinnt, darf entweder die Tischseite oder das Recht der ersten Auflage wählen.

• Verlässt der Ball das Spielfeld, bringt die Mannschaft, die sich zuletzt in der Defensive befand, den Ball zurück ins Spiel.

• Dreht sich die Stange um mehr als 360 Grad, ist dies ein Foul.

• Ein Ball, der die Torlinie überschreitet, wird als Tor gewertet, auch wenn er wieder aus dem Tor herauskommt.

Verein Tischfußballclub 09 hat ein eigenes Vereinsheim in der Nordstadt

Als ganz Deutschland Fußballweltmeister werden wollte, hat es einer geschafft: Uwe Rippe wurde 2006 immerhin Weltmeister im Tischfußball. Heute ist er Mitglied des Vereins Tischfußballclub 09 Kassel (TFC). Entstanden ist der Club, der mit Mannschaften in Verbands- und Landesliga vertreten ist, aus ein paar befreundeten Männern im Jahr 2009.

Zunächst traf man sich in Söhrewald-Wellerode. „Als uns das Kartenspielen zu langweilig wurde, haben wir uns aus einer Laune heraus einen Kickertisch gekauft. Daraus wurde dann eine Sucht“, erzählt Andreas Weber aus dem Vorstand des Vereins. Ein guter Tisch koste zwischen 1200 und 1800 Euro.

Weber erinnert sich noch gut, wie er und seine Mitstreiter zum ersten Mal auf ein Kicker-Turnier gefahren sind: „Wir dachten, wir können es. Am Ende landeten wir auf Platz 37 von 38. Hinter uns lag nur ein Team mit einem 12- und einem 14-Jährigen. Da waren wir deprimiert und wussten, es muss was passieren.“

Heute zählt der Verein, der sich über Zuwachs freut, gut 30 Mitglieder und hat inzwischen ein neues Vereinsheim an der Kasseler Sickingenstraße.

Die Vereinsmitglieder würden sich wünschen, dass ihr Sport auch als solcher anerkannt wird. Dann sei es leichter, Sponsoren zu finden und Fördergeld zu bekommen. Einen Teilerfolg habe der Deutsche Tischfußballbund (DTFB) schon erreicht, als er für das Kickern den Status der Gemeinnützigkeit erstritten hatte.

Ein Tipp für alle Hobby-Spieler hat der Tischfußballclub 09 auch parat: Nie mit dem Torwart schießen. Der Abstand bis zum gegnerischen Angriff sei zu groß. Da habe der Gegner zu viel Zeit, um den Schuss zu blocken. (bal)

www.tischfussball-kassel.de, Sickingenstraße 33, Di, Do, Fr ab 19 Uhr. Di offener Spieleabend. Die Mitglieder zahlen 12 Euro/Monat. Ermäßigt acht Euro. Gäste zahlen 2 Euro.

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