Betrieb in vierter Generation

Tischlerei Baum in Kassel baut seit 125 Jahren Möbel

Möbelwerkstatt mit Tradition: Dieses Foto entstand wahrscheinlich in den frühen 1950er-Jahren. Fotos/Repros: Fischer

Die Tischlerei Baum feiert 125-jähriges Bestehen. Der Neun-Mann-Betrieb hat sich auf anspruchsvollen Möbel- und Innenausbau spezialisiert. Auch im Ausland sind die Profis unterwegs.

Als sich Schreinermeister Jakob Baum heute auf den Tag genau vor 125 Jahren mit wenig Geld, aber viel Enthusiasmus selbstständig machte, ahnte er nicht einmal in seinen kühnsten Träumen, dass seine Tischlerei zwei verheerende Weltkriege, Wirtschaftskrisen und die zweimalige Zerstörung der Werkstatt durch Feuer und Bombenhagel überleben würde. Heute begeht der Traditionsbetrieb in der Sandershäuser Straße, der unter Baum & Söhne Möbelwerkstätten firmiert und einen grünen Baum im Logo trägt, das seltene Jubiläum.

Frank Baum

Seit neun Jahren führt Frank Baum die Tischlerei in vierter Generation – und kann sich nach eigenem Bekunden nichts Schöneres vorstellen. „Ja, es ist mein Traumberuf“, bekennt der 46-Jährige, der seit 2005 auch Obermeister der Schreinerinnung Kassel ist. Schon als Kind habe er viel Zeit in der Werkstatt verbracht und frühzeitig beschlossen, die Familientradition fortzuführen, sagt der Vater zweier Töchter. Grund zur Klage gibt es ja auch nicht, denn Baum hat ordentlich zu tun. „Die Geschäfte laufen sehr gut“, sagt er. Seit Übernahme des Betriebs von seinem Vater habe er noch kein Auftragsloch erlebt. Ein Grund für den geschäftlichen Erfolg des Neun-Mann-Betriebs liegt sicherlich in der guten und ausgewogenen Kundenstruktur. Privatleute auf der einen sowie Firmen und Institutionen auf der anderen Seite hielten sich die Waage, sagt Baum.

Die Liste der Kunden ist lang, und viele von ihnen sind prominent. Neben dem Hotel Gude, dem Kali- und Salzproduzenten K+S, Ferrari-Händler Eberlein, Rathaus und Staatstheater setzen auch eine Reihe Kasseler Schulen, das Museum Ottoneum, das Marien- und Elisabeth-Krankenhaus und viele mehr auf die Expertise der Möbeltischler und Innenausbau-Spezialisten aus der Sandershäuser Straße.

Die Kunden kommen meist aus Kassel und Umland, aber auch Projekte in Berlin, Hamburg und anderen Metropolen der Republik stehen auf der langen Referenzliste. Das bislang ungewöhnlichste Projekt ist der hochwertige Innenausbau eines exklusiven Wohnhauses im russischen Kaliningrad (einst Königsberg), der höchste Anforderungen nicht nur an Qualität, sondern auch an Koordination, Planung und Logistik stellte.

Aber mit Computer-Technik und einem modernen Maschinenpark sind selbst solch ausgefallene Großprojekte kein Problem für die Baum-Profis. Neben der Kundenstruktur und Art der Möbel haben sich im Laufe der Jahrzehnte vor allem die verarbeiteten Materialien geändert.

Längst wird nicht mehr nur mit Holz gearbeitet. Auch Kunst- und Mineralstoffe, Metall und Glas gehören zum Alltag. Hinzu kommt eine Vielzahl von Lacken und andere Oberflächenbeschichtungen, die dem Design keine Grenzen mehr setzen. Unabhängig davon stellt Baum ganz klar einen Trend fest: „Die Möbel sind meist zeitlos und schlicht und immer häufiger aus Eichenholz.“

Ein Blick in die Geschichte des Unternehmens:

15. Juni 1892: Schreinermeister Jakob Baum gründet in der Wildemannsgasse eine Schreinerei.

1900: Der Betrieb zieht in eigene Räume Im Graben und eröffnet ein Möbelgeschäft.

1909: Die Werkstatt wird bei einem Feuer vernichtet, jedoch umgehend wieder aufgebaut.

1932: Die Söhne des Firmengründers, Heinrich und Karl, werden Teilhaber.

1940: Firmengründer Jakob Baum stirbt.

1941: Karl Baum kehrt verwundet aus dem Krieg zurück und führt den Betrieb weiter. 1943: Das Firmengelände wird in der Bombennacht im Oktober völlig zerstört, aber umgehend wieder aufgebaut.

1954: Der Betrieb zieht in die ehemalige Artilleriekaserne um.

Mit einem eigenen Lkw fuhr Baum & Söhne bereits in den 1950er-Jahren Möbel aus.

1964: In der Sandershäuser Straße 17 entsteht eine neue Werkstatt. Sie ist bis heute Firmensitz.

1981: Reinhold Baum übernimmt den Betrieb in dritter Generation.

1995: Frank Baum legt die Meisterprüfung ab.

2008: Frank Baum übernimmt den Traditionsbetrieb in vierter Generation.

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