Deutsche Meisterschaft im Turnierwurfsport - Waldauer Wiesen als Austragungsort

Den Titel an der Angel

Die Weite zählt: 175 Meter und mehr werden mit bis zu 200 Gramm schweren Gewichten erreicht. Geworfen wird bei jedem Wetter. Auch Gegenwind ist kein Hindernis. Fotos: Camrath

Kassel. Behutsam prüft der Mann mit der Nummer 42 das Werkzeug. Während er langsam durch das Gras stapft, pendelt die Angel in seiner Hand hoch und runter, das orange-leuchtende Gewicht an ihrer Spitze schwingt vor und zurück. Der Blick geht in Richtung Zielkreis, wo die Punkte versteckt liegen. Dann geht er in Position, holt aus, und das Sirren der sich abspulenden Schnur erfüllt die Luft.

Gerhard Dimmerling trägt die Nummer 42. Er ist einer von 102 Teilnehmern der Deutschen Meisterschaft im Turnierwurfsport der Meeres- und Binnenfischer, die noch bis zum heutigen Samstagabend in Kassel stattfindet.

Dimmerling liegt an aussichtsreicher Position. Er hat im Weitwurf gerade 175 Meter vorgelegt und sich ein kleines Polster für das Zielwerfen erarbeitet. „Einmal daneben werfen kann ich mir erlauben.“ 180 Punkte können in neun Würfen maximal erzielt werden. Geht einer daneben, sind es nur noch 160.

An seiner Seite taucht plötzlich ein Mädchen im gelben T-Shirt auf. Sie lächelt und flüstert ihm etwas ins Ohr: „Psst. Ich bin deutsche Meisterin!“ Dimmerling blickt sie überrascht an, dann lächelt er zufrieden: „Herzlichen Glückwunsch, Patricia!“

Patricia Spira ist 18 Jahre alt und kommt aus Bad Münster. Nachdem sie im vergangenen Jahr zwar schon dabei war, wegen ihres Alters jedoch nicht gewertet wurde, hat es diesmal gleich zum Titel gereicht. Patricia ist Deutsche Meisterin der Frauen im Weit- und Zielwurf der Meeresfischer. „Ich bin total glücklich“, sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht.

Party wird verschoben

Mit sechs von neun Treffern und einer Weite von 97 Metern hat sie die Konkurrenz hinter sich gelassen. Und die kommt aus dem eigenen Haus: „Meine Schwester und ich haben den Turnierwurfsport über das Angeln kennengelernt. Aus Spaß sind wir dann zu Meisterschaften gefahren und schließlich hier gelandet.“ Da am Samstag noch ein Wettbewerb ansteht, muss die Party verschoben werden: „Aber dann wird gefeiert.“

Dimmerling ist mit seinen 51 Jahren schon ein alter Hase: „Ich bin seit 20 Jahren dabei. Als das Wettkampfangeln mit lebenden Fischen verboten wurde, hat man nach Alternativen gesucht.“ Geschaffen war der Turnierwurfsport.

„Das ist hier der nationale Höhepunkt“, sagt Kurt Klamet, Vizepräsident des Verbands Deutscher Sportfischer. Er freut sich, dass auch jüngere Menschen Interesse für die Sportart zeigen: „90 Prozent kommen über Angelvereine zum Wurfsport.“ Er selbst habe mit fünf Jahren in einem kleinen Berliner Verein angefangen und sei dem Sport bis heute treu geblieben. Um selbst zu werfen, bleibe aber keine Zeit mehr. Das überlasse er der nächsten Generation.

Patricia und ihrer Schwester Jessica zum Beispiel, die auch heute auf den Waldauer Wiesen nach Titeln angeln wollen.

Über 100 Teilnehmer aus sechs Bundesländern kämpfen heute ab 9 Uhr auf den Waldauer Wiesen um die Meisterschaft im Weit- und Zielwurf der Binnenfischer. Es sind bereits die 14. Meisterschaften in Kassel.

Ein Video finden Sie im Internet auf www.hna.de/video

Von Jörgen Camrath

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