Tod nach 17 Messerstichen: 57-Jähriger wegen Totschlags vor Gericht

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Streit um Pfand eskalierte: Der Angeklagte hat nach eigener Aussage aus Notwehr auf einen Bekannten eingestochen, der an den Verletzungen starb.

Mit 17 Messerstichen und -schnitten soll ein 57-jähriger Deutschrusse aus Oberzwehren einen Landsmann so schwer verletzt haben, dass der Mann verblutete.

Wegen versuchten Totschlags steht der Angeklagte seit Montag vor der 6. Strafkammer des Landgerichts.

Der tödlichen Attacke am Abend des 2. August 2019 in einem Hochhaus an der Brückenhofstraße soll ein stundenlanges Trinkgelage vorausgegangen sein, das schließlich im Streit blutig endete.

Laut Anklage von Staatsanwältin Ceh war das spätere Opfer – ein Deutschrusse Anfang 50 – gegen 16 Uhr vom 12. in den 11. Stock in die Wohnung des Angeklagten gekommen, um gemeinsam zu zechen. Als Bier und Wodka ausgingen, holte der Angeklagte bei Nachbarn eine Flasche Wein. Auch die war schnell geleert und so sammelte der Gast die Pfandflaschen des Gastgebers ein, um vom Pfand neuen Alkohol zu kaufen.

„Doch das wollte ich nicht, ich brauchte den Pfand zum Essen kaufen“, sagte der Angeklagte über einen Dolmetscher aus. Als er sich dem anderen in den Weg stellte, habe der ihn geschubst und auf ihn eingeschlagen. Da habe er aus einem Messerblock zwei Küchenmesser mit je 20 Zentimeter langen Klingen gezogen und damit aus Notwehr auf den Gast eingestochen. „Irgendwann lag er am Boden“, sagte der Angeklagte auf Befragen von Richter Volker Mütze. Er sei geschockt, verwirrt und verängstigt gewesen und habe zunächst gar nicht realisiert, was gerade geschehen war.

Der Mann rief seinen Sohn in Hannover an und sagte: „Jemand ist tot, ich habe eine Leiche im Wohnzimmer liegen.“ Der Sohn rief die Polizei, die den Angeklagten gegen 23 Uhr festnahm. Staatsanwältin Ceh berichtete von 17 Stichen und Schnitten, die das Opfer in Gesicht und Brustkorb davon getragen habe. Ein tiefer Stich traf dabei die Lunge, der Mann sei innerlich und äußerlich verblutet. Außerdem seien ihm durch Schläge und Tritte mehrere Rippen gebrochen worden. Eine Blutprobe beim Angeklagten ergab später einen Alkoholgehalt von 2,21 Promille. Die genaue Menge des von beiden konsumierten Alkohols steht nicht fest.

Verteidiger Klaus Uwe Haake gab im Namen seines Mandanten Auskunft über dessen Leben. Geboren 1963 in Nowosibirsk in Russland habe er dort bis zur 10. Klasse die Schule besucht und dann eine Ausbildung zum Fahrer und Autoschlosser gemacht. Im Jahr 2001 kam er mit seinem damals siebenjährigen Sohn, mit Mutter und Schwester nach Deutschland, in seine „historische Heimat“. Etwa seit 2011 wohnt er in dem Hochhaus in Oberzwehren. Seinen Job bei VW verlor er wegen seiner Alkoholsucht, aus dem gleichen Grund musste er zweimal seinen Führerschein abgeben. „Ich habe mein Leben lang getrunken“, sagte der Mann, für den Richter Mütze auch die Einweisung in eine Entziehungsanstalt für denkbar hält.

Auch Staatsanwältin Ceh hält wegen des Alkoholkonsums eine eingeschränkte Steuerungs- und Schuldfähigkeit des Angeklagten für möglich. Ob das so festgestellt werden kann, soll in fünf weiteren Verhandlungstagen geklärt werden. Weiter geht es am Mittwoch, 20. Mai, um 9 Uhr.

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