Nach Routine-Eingriff

Dreijähriger stirbt in Arztpraxis in Kassel: Todesursache noch unklar

Ein Dreijähriger war Mitte April nach einer ambulanten Operation in einer Arztpraxis in Kassel gestorben - nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.
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Ein Dreijähriger war Mitte April nach einer ambulanten Operation in einer Arztpraxis in Kassel gestorben – nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

In Kassel stirbt ein dreijähriges Kind nach einem ambulanten Routine-Eingriff. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen den operierenden Arzt.

Kassel – Nach einer Tragödie in einer Kasseler Arztpraxis ist weiterhin unklar, was zum Tod eines Dreijährigen geführt hat. Das schriftliche Obduktionsergebnis liege noch nicht vor, erklärt Oberstaatsanwalt Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel.

Mitte April war der Junge nach einer Operation gestorben. Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den operierenden Arzt und gegen den beteiligten Anästhesisten wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung.

Kind stirbt nach Routine-Eingriff in Arztpraxis in Kassel

Über den aktuellen Stand macht Thöne keine Angaben, „da dies erfahrungsgemäß den Gang der Ermittlungen gefährden kann“. Mit Blick auf das Verfahren spricht Thöne von besonderer Bedeutung und besonderer Sorgfalt. Die Staatsanwaltschaft habe den Fall einer in Ärztesachen erfahrenen Staatsanwältin zugewiesen.

Bestätigt ist, dass der Dreijährige ambulant in den Räumen eines in Kassel praktizierenden Arztes operiert wurde, und dass der Eingriff unter Vollnarkose geschah. Um welche Art von Eingriff es sich handelte, gibt die Staatsanwaltschaft nicht preis. Nach HNA-Information wurde bei dem Dreijährigen eine Adenotomie vorgenommen, das heißt, ihm wurden vergrößerte Rachenmandeln entfernt. Umgangssprachlich werden diese Adenoide auch als Polypen bezeichnet, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH).

Deren Sprecher Karl Roth sagt außerdem, dass solch eine Operation zu den häufigsten Eingriffen bei Kindern zähle – ein Routine-Eingriff. Dafür würden die Patienten heutzutage unter Vollnarkose gesetzt. Und nach Paragraf 115b des Sozialgesetzbuches 5 „wird diese Operation nur in Ausnahmefällen stationär durchgeführt“, ergänzt KVH-Sprecher Roth. Hauptkomplikation nach solch einer Adenotomie seien Blutungen beziehungsweise Nachblutungen.

Kind stirbt nach ambulanter OP in Kassel: Überwachung ist enorm wichtig

Adenoide sind Teil des lymphatischen Gewebes und liegen im Nasenrachen – bei geöffnetem Mund sind sie im Allgemeinen nicht sichtbar. Vergrößerte Rachenmandeln müssten laut Roth deshalb entfernt werden, weil sie zum Beispiel dauernde Ohrenentzündungen mit Schwerhörigkeit, Mundatmung und Schnarchen verursachen können. Eine Adenotomie dauere zwischen 20 und 30 Minuten.

Wie lang ein Dreijähriger danach im Aufwachraum bleiben muss, müsse der Narkose-Arzt entscheiden, sagt Roth. Auf die Frage, wie eine Überwachung auszusehen habe, verweist Roth auf „vielfältige Leitlinien“, in denen Kriterien „fixiert“ seien. Eine dieser Leitlinien stammt von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA). Darin ist festgehalten, dass der Patient in dieser Aufwachphase einer kontinuierlichen und kompetenten Überwachung bedürfe.

Wurde das Kind in der Praxis in Kassel korrekt überwacht?

Unterdessen hat sich eine Zeugin gemeldet. Wie sie gegenüber der HNA mitteilt, sei sie mit ihrem Kind zur selben Zeit in dieser Praxis gewesen. Ihr Kind habe einen ambulanten Eingriff gehabt und habe im Aufwachraum neben dem Zimmer des Jungen gelegen. Was die Zeugin außerdem sagt: Ihr Kind sei weder von einem Gerät noch von medizinischem Personal überwacht worden.

Nach Informationen unserer Zeitung geht es für die Staatsanwaltschaft genau um diese Fragen: Wurde der Dreijährige ausreichend überwacht? Gab es entsprechende Apparate in dem Aufwachraum? Die Zeugin kann dies nicht eindeutig beantworten. Sie erinnert sich aber, dass an jenem Tag viel los gewesen sei in der Arztpraxis. (Robin Lipke)

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