Urteil am 19. November

Töchter täglich missbraucht: Mann soll für sieben Jahre ins Gefängnis

Kassel. Ein 41-Jähriger aus dem Landkreis Kassel hat sich an seinen beiden kleinen Stieftöchtern über Jahre hinweg sexuell vergangen - dafür soll er jetzt für sieben Jahre ins Gefängnis.

Auf dieses Strafmaß einigten sich bereits am ersten Prozesstag Staatsanwaltschaft und Verteidigung, um den heute 14 und 16 Jahre alten Mädchen eine Aussage vorm Landgericht Kassel zu ersparen und mit einem schnellen Ende der Hauptverhandlung den Weg für deren Therapie frei zu machen. Die Jugendschutzkammer will ihr Urteil am 19. November fällen.

290 Fälle von zum Teil schwerem Kindesmissbrauch hat Oberstaatsanwältin Andrea Boesken angeklagt, „tatsächlich werden es viel mehr gewesen sein“. Von März 2009 bis Oktober 2014 soll der Angeklagte seine Stieftöchter zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben, zeitweise täglich, wie die Mädchen gegenüber der Polizei aussagten. Der gelernte Elektroinstallateur aus dem Landkreis Kassel gab 38 Taten zu, den Rest bestreitet er. Vor allem, dass er sich an dem älteren Kind erstmals verging, als dieses erst zehn Jahre alt war.

Im Ehebett war es nach Aussage der heute 16-jährigen Tochter erstmals zu Übergriffen des Stiefvaters gekommen. Mit Elf habe er sie entjungfert, dann zeitweise täglich missbraucht. Von einem „ständig sich wiederholenden Tatmuster“ ist in der Anklageschrift die Rede. Indem er ihr ein Porno vorführte, habe der Angeklagte das Mädchen zum Oralsex angeleitet.

Als die zwei Jahre jüngere Schwester ebenfalls elf war, habe der heute 41-jährige Mann beabsichtigt, „das Mädchen an den Geschlechtsverkehr mit ihm zu gewöhnen“, sagte Oberstaatsanwältin Boesken. In einem Fall habe der Angeklagte seine beiden Stieftöchtern gleichzeitig missbraucht.

„Es ist mir unverständlich, wie es zu meinen Handlungen kommen konnte, das verstehe ich bis heute nicht“, heißt es in einer Erklärung des Angeklagten, die von seinem Rechtsanwalt vor Gericht verlesen wurde. Die Frage danach, wie viele Taten es wirklich waren, nannte der 41-Jährige „haarspalterisch“.

Ein forensischer Sachverständiger attestierte dem Angeklagten eine depressive, narzistische Persönlichkeitsstruktur, konnte aber keine Zeichen für eine Schuldunfähigkeit erkennen. Immer wieder hatten sich im Lebenslauf des 41-Jährigen, der sich selbst als „trockenen Alkoholiker“ bezeichnete, Phasen der Arbeitslosigkeit mit kurzzeitiger Berufstätigkeit als Gemeindearbeiter oder Zerspanungsmechaniker und Aufenthalten in mehreren psychiatrischen Kliniken abgewechselt.

Mit der Mutter der Mädchen war er in dritter Ehe verheiratet, inzwischen ist das Paar geschieden. Der Gutachter über den Angeklagten: „Er hatte gehofft, dass die Ehefrau etwas erfährt, damit das ein Ende hat.“

Der Prozess wird im Landgericht am 19. 11. ab 9 Uhr im Saal E 119 fortgesetzt.

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