84-Jährige erwartete eine Lieferung, Tatwaffen stammen wohl aus der Küche der Frau

Tödliche Messerattacke: Opfer wartete auf Paket

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Tatort: Mitarbeiter des Erkennungsdienstes und des Kommissariats K 11 stehen am Dienstagnachmittag vor dem Haus der 84-jährigen Frau, die Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist.

Kassel. Die 38-jährige Frau, die dringend tatverdächtig ist, am Dienstag eine 84-jährige Frau im Kasseler Stadtteil Wolfsanger getötet zu haben, ist noch am Abend in das Psychiatrische Krankenhaus nach Merxhausen gebracht worden.

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Das erklärte Polizeisprecher Torsten Werner. Mittwochnachmittag beantragte die Staatsanwaltschaft Kassel die einstweilige Unterbringung der Frau in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Haftrichter folgte dem Antrag und ordnete die Unterbringung in Haina an.

Die Frau, die bereits früher psychisch auffällig gewesen sein soll, habe bei ihrer Vernehmung durch Beamte der Kripo einen verwirrten Eindruck gemacht. Sie habe unter anderem erklärt, dass sie mit Adam verheiratet sei und Rache für den Teufel übe, sagt Werner.

Die 38-Jährige war am Dienstagnachmittag von der Polizei am Tatort angetroffen worden. Sie saß im Nebenraum der Küche, in der die 84-Jährige mit mehreren Messern angegriffen worden war, hatte eine Decke über sich ausgebreitet und betete. Die Polizei geht davon aus, dass die Messer mit unterschiedlichen Klingenlängen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Küche des Opfers stammen.

Gestern Vormittag deutete nur noch ein Siegel der Kriminalpolizei an der Tür des Hauses 13 darauf hin, dass hier etwas Schreckliches passiert sein muss. Die 38-Jährige, die vorgestern ihre Angehörigen im Stadtteil Wolfsanger besucht hatte, war wahllos zu der Doppelhaushälfte der 84-Jährigen gelaufen. Dort hatte sie geklingelt, das spätere Opfer hatte die Tür geöffnet.

Eine Nachbarin beobachtete gegen 14.30 Uhr, wie eine Frau gefolgt von einer Gruppe den Wolfsgraben hinauflief. „Ich habe noch gesehen, wie die Frau in dem Haus verschwunden ist“, erzählt die Nachbarin. Als sie am Dienstag davon erfährt, was passiert ist, ist sie fassungslos.

Geschockt zeigt sich auch ein anderer Nachbar. „Am Montag hat sie mir noch gewunken“, sagt er. Seine Nachbarin sei ein freundlicher Mensch gewesen. Seitdem ihr Mann vor Monaten wegen einer Demenzerkrankung in ein Altenheim gekommen sei, habe die gehbehinderte Frau allein in der Doppelhaushälfte gelebt und war auf Hilfe angewiesen. Der VW Polo, der vor dem Haus steht, ist abgemeldet und scheint seit längerer Zeit nicht mehr bewegt worden zu sein.

Nach Angaben von Polizeisprecher Werner soll die 84-Jährige am Dienstag auf eine Paketlieferung gewartet haben. Es sei daher möglich, dass sie die Haustür mithilfe des Summers aus dem ersten Stock geöffnet habe. Statt eines Boten betrat aber eine offenbar sehr verwirrte Frau das Haus.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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