Seuche befürchtet

Tödliche Staupe bedroht Kassels Waschbären

Kassel. Kassels Waschbären sind vom tödlichen Staupevirus bedroht. Jäger im Reinhardswald sind in den vergangenen Wochen um Hofgeismar und Trendelburg vermehrt Tieren mit der ansteckenden Krankheit begegnet.

Im Landkreis Kassel sind nach Auskunft von Sprecher Harald Kühlborn in diesem Jahr 80 Fälle von Staupesymptomen bei Waschbären auffällig geworden. Seit September hat der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor 13 verdächtige Waschbär-Kadaver untersucht. Die neun mit positivem Ergebnis stammen aus Nordhessen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es mehr Fälle sind“, sagt Dr. Michael Zschöck, Abteilungsleiter der Veterinärmedizin in Gießen.

„Die Situation ist extrem“, sagt Dieter Sellemann vom Vorstand des Kreisjagdvereins Hofgeismar. In Anbetracht der Strecken, die Waschbären zurücklegen, sei es eine Frage der Zeit, wann das Virus in Kassel ankommt. „Bei der Populationsdichte, die wir in der Stadt haben, ist es wahrscheinlich, dass sich das Virus seuchenartig ausbreitet.“

Weil das Virus auf Hunde übertragbar ist, appellieren Veterinärmediziner an Hundehalter, darauf zu achten, dass ihre Tiere gegen Staupe geimpft sind. Für Menschen und Katzen sei das Staupevirus ungefährlich.

Wie Revierförster Dieter König jetzt vor dem städtischen Umweltausschuss erklärte, ziehen die Waschbären zunehmend von den Wäldern in die Stadt, wo sie ideale Lebensbedingungen haben: Sie finden in Gärten und Mülleimern mehr Nahrung, in Kaminen, Speichern und Schuppen bessere Unterkünfte, und sie werden dort nicht bejagt.

Inzwischen zähle man in der Stadt 100 Waschbären auf einem Quadratkilometer. Im Wald trifft man auf der gleichen Fläche acht Waschbären an. Nach dieser Rechnung leben in Kassel 10 000 Waschbären. „In Deutschland wird ihre Zahl auf über eine Million geschätzt“, sagt König.

Einen Kommentar und weitere Hintergründe zu der Staupe lesen Sie in der HNA-Montagsausgabe.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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