Geisterfahrer-Unfall: Frau machte Kehrtwende auf A7

Kassel. Nach dem tödlichen Unfall auf der A7, bei dem am Mittwoch eine 41-jährige Geisterfahrerin ums Leben gekommen ist, hat die Polizei Hinweise zum Unfallhergang bekommen: Ein anderer Autofahrer auf der A7 Richtung Süden hatte im Rückspiegel beobachtet, wie die Frau auf der Autobahn wendete.

Wo die 41-jährige Autofahrerin auf die Autobahn aufgefahren war, ist nach wie vor unklar. Nach der Aussage eines Zeugen aus Guxhagen ist nun aber Näheres zum Unfallhergang bekannt. Der Mann war am Mittwochmittag ebenfalls auf der A 7 in Fahrtrichtung Süden unterwegs und hatte im Rückspiegel beobachtet, wie die Frau auf der Autobahn wendete.

Der Autofahrer, der an der Anschlussstelle Kassel-Nord aufgefahren war, hatte den roten Opel Vectra erstmals hinter dem Kreuz Kassel-Mitte bemerkt. Und zwar wegen der auffälligen Fahrweise der 41-Jährigen. Die Fahrerin sei zunächst auf den linken Randstreifen gekommen und habe die Mittelleitplanke gestreift, dann sei sie nach rechts gewechselt und habe die rechte Schutzplanke berührt.

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Durch den Rückspiegel hatte der Guxhagener dann noch beobachtet, wie der Opel Vectra nach einer Brücke stark verlangsamte, bevor er einen Bogen nach links schlug und sich entgegen der Fahrtrichtung links auf der Überholspur befand, berichtet Polizeisprecherin Sabine Knöll. Der Zeuge habe dann wegen einer Kurve den Opel nicht mehr sehen können und auch von dem Unfall nichts mehr mitbekommen.

Die 41-Jährige war frontal mit dem Wagen eines 52-Jährigen aus Niemetal zusammengestoßen, der auf der linken Spur ordnungsgemäß Richtung Süden fuhr. Die Geisterfahrerin starb noch an der Unfallstelle. Der 52-Jährige wurde verletzt.

Es gebe noch keine Erkenntnisse, ob die Autofahrerin die Kehrtwende mit Absicht oder möglicherweise in einem verwirrten oder orientierungslosen Zustand machte, sagt Polizeisprecherin Knöll. Die Falschfahrerin lebte in Hannover und war alleinstehend.

Gegen Geisterfahrer-Unfälle, die im Rausch, im verwirrten Zustand oder durch Suizidabsichten zustande kommen, kann man wenig tun. Mehr als die Hälfte der Fälle aller Irrfahrten beginnt nach Angaben des ADAC aber an Anschlussstellen durch falsches Einbiegen. Gerade bei schlechter Sicht nachts und bei Nebel bestehe diese Gefahr, sagt Cornelius Blanke, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen.

Daher fordert der Automobilclub, dass Autobahnausfahrten mit auffälligen Warntafeln ausgestattet werden. Diese neongelben Schilder mit einer Einhalt gebietenden Hand und der Aufschrift „Stop Falsch“ gibt es in Österreich seit Langem. Dort sank die Zahl der Geisterfahrten laut ADAC um ein Drittel. In Bayern läuft seit 2010 ein Modellprojekt, bei dem Anschlussstellen mit dem Warnschild ausgestattet wurden.

Auch wenn tödliche Geisterfahrten stets ein großes Medienecho erfahren – statistisch gesehen ist die Gefahr, in einen solchen Unfall verwickelt zu werden, eher gering. Geisterfahrer verursachen nach Angaben des ADAC drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen. Dabei gibt es im Jahr etwa 20 Todesopfer.

Archiv-Fotos: Unfall auf der A7

Unfall auf der A7 durch Falschfahrerin

Die Polizei sucht weiter Zeugen: Tel. 0561/910-0.

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