Dr. Sven Rudolph forscht zu Klimapolitik in Japan: Metropole hat erstes lokales Emissionshandelssystem

Von Tokio kann die Welt lernen

Der Berg Fuji im Abgasnebel: Um klimaschädliches CO2 zu reduzieren, gibt es in Tokio einen Emissionshandel - der erste weltweit auf lokaler Ebene. Ein Kasseler Wissenschaftler forscht dazu. Foto: nh

Kassel. Mit der Atomkatastrophe von Fukushima und dem Festhalten Japans an der Kernkraft hat der asiatische Inselstaat sich umweltpolitisch zuletzt eher ins Abseits manövriert.

Andererseits geht die Metropole Tokio bei der Klimapolitik neue Wege, die weltweit Vorbildcharakter haben könnten. Dr. Sven Rudolph vom Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung (CliMA) der Uni Kassel forscht seit einigen Jahren zur Klimapolitik Japans und arbeitet an einem Buch zu diesem Thema.

Vor wenigen Tagen ist der 39-Jährige nach Kyoto aufgebrochen, um an der Hochschule der Präfektur als Gastforscher das Emissionshandelssystem zu untersuchen, das die Stadt Tokio eingeführt hat. Am 11. März, dem Jahrestag des Atomunglücks von Fukushima, hält Rudolph einen Vortrag zur deutschen und europäischen Klimapolitik.

Zwar sei der Klimawandel ein globales Problem, für das man eigentlich eine globale Lösung finden müsse, sagt Rudolph. Um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, müssten die Industrieländer ihre Emission von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent reduzieren. Das Kyoto-Protokoll habe zwischen 1990 und heute aber nur fünf Prozent vorgesehen. Zudem sind die USA und China als größte Ausstoß-Länder ohnehin nicht mit im Boot.

Globale Lösung nicht in Sicht

Da ein wirksames globales Vorgehen weiter auf sich warten lasse, sagt der Forscher, seien Strategien auf kleiner Ebene gefragt. Hier könne der Tokioter Emissionshandel als erstes System auf städtischer Ebene eine Vorreiterrolle einnehmen. „Wenn viele Initiativen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zusammenkommen, haben wir eine Menge an Emissionen, die ökologisch spürbar ist.“ Zudem werde der Druck auf andere zu handeln erhöht. Die Präfektur Tokio (13 Mio. Einwohner) habe mit 65 Mio. Tonnen Treibhausgasen pro Jahr einen Ausstoß, der dem von Ländern wie Schweden entspreche. Mit dem neuen System werde erstmals eine Emissions-Obergrenze eingeführt.

Bis 2020 will die Metropole ihren Ausstoß von Klimakillern um 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 reduzieren. Zudem sei es nicht nur das erste System, das auf städtischer Ebene installiert werde, sondern auch das erste, das bei großen Büros und Verwaltungen als Hauptstromverbraucher ansetze, betont Rudolph. In Tokio gebe es nur wenige große Industriebetriebe.

Für Deutschland kein Modell

Ein Emissionshandel auf lokaler Ebene sei für Deutschland, das in Sachen Klimapolitik gut aufgestellt sei, nicht nötig, sagt der Wissenschaftler. „Das Modell ist interessant für Länder, die sich auf nationaler Ebene dem Klimaschutz noch nicht öffnen.“ Wenn Millionenstädte wie Mexiko City oder Rio de Janeiro sich eigene Klimaziele stecken würden, so Rudolph, könnte „Bewegung von unten“ in die Klimapolitik kommen.

Von Katja Rudolph

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