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Regenscheu und sonnenhungrig: Expertin verrät, wie der Tomatenanbau gelingt

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Von: Gisela Busch

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Kuriose Launen der Natur findet man nur im Bio-Anbau: diese stattliche Fleischtomate entwickelte lustige grüne Stielaugen, die an ein Krebstier erinnern.
Kuriose Launen der Natur findet man nur im Bio-Anbau: diese stattliche Fleischtomate entwickelte lustige grüne Stielaugen, die an ein Krebstier erinnern. Nach kurzem Ruhm im Social-Media-Rampenlicht endete die Schönheit aber – ohne die grünen, weil giftiges Solanin enthaltenen Knubbel – ihrer Bestimmung folgend im Sommersalat. © Gisela Busch

Tomaten brauchen nährstoffreichen Boden und eine gute Pflege zum Saisonstart.

Kassel – Sie ist beliebt wie kaum ein anderes Gartengemüse: die Tomate. Geschält und püriert zu Pizza und Pasta, aromatisch-pikant vom Grill oder am liebsten frisch vom Strauch gepflückt und noch sonnenwarm vernascht – knapp 20 Kilogramm verspeist jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr von der kalorienarmen und an Antioxidantien reichen Superfrucht.

Hinsichtlich Form, Farbe und Geschmack herrscht große Auswahl: Kirschgroße Cherrytomaten, Cocktailtomaten, kleine Runde und dicke Fleischtomaten in Rot, Gelb, Orange und sogar fast Schwarz oder gestreift – jeweils dattel- , eier- oder bauchig-birnen- und flaschenförmig bis hin zu wulstigen XXL-Exemplaren reicht die bunte Vielfalt im Tomatensalat.

Pflegemaßnahme: Ausgeizen ist wichtig

In Gartenratgebern ist bei der Tomatenpflege oft von „Ausgeizen“ die Rede. Darunter versteht man das Entfernen von Seitentrieben. Auch wenn es schwerfallen mag, die zarten Triebe abzuknipsen: Ausgeizen sorgt für einen luftigeren Pflanzenaufbau und beugt damit dem Befall mit Kraut- und Braunfäule vor, weil der Wind die Blätter leichter abtrocknen kann. Außerdem reifen die Tomatenfrüchte auf diese Weise nur am Haupttrieb, was eine bessere Versorgung der Früchte gewährleistet. Je nach Fruchtgröße „schafft“ es eine Pflanze, etwa vier bis fünf (bei Fleischtomaten) beziehungsweise acht oder mehr (bei Kirschtomaten) Rispen zu versorgen.

Tomaten im Garten oder auf dem Balkon pflanzen: Mit diesen Tipps gelingt es

Wer die Tomaten nicht ab März auf der Fensterbank selbst ausgesät hat, findet dieser Tage im Fachhandel ein breites Jungpflanzenangebot, erklärt Gartenbautechnikerin Isolde Keil-Vierheilig von der Gartenakademie der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau (LWG). Sobald kein Nachtfrost mehr droht und der Boden erwärmt ist, dürfen Tomaten wie auch andere Fruchtgemüse wie Paprika, Zucchini und Gurken ins Freie. Sind die Nächte (zumeist bis zu den „Eisheiligen“ Anfang Mai) mit Temperaturen unter 2 Grad noch zu kalt zum Auspflanzen, können die lichthungrigen Jungpflanzen in ihren Töpfen auch tagsüber zum Abhärten ins Freie gestellt, nachts aber wieder hereingeholt werden. Im Freiland wie auf dem Balkon hilft auch ein Schutzvlies gegen Kälteschäden. Beim Auspflanzen richtet man sich nach der späteren Größe der voll entwickelten Pflanzen: Tomaten brauchen mindestens 50 Zentimeter Abstand voneinander, um genug Licht und Luft zu bekommen.

Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein, da Tomaten zwar die Sonne lieben, aber dennoch stehende Hitze schlecht vertragen. Als sogenannte Starkzehrer brauchen sie fürs Wachstum ausreichend Nährstoffe, erklärt Keil-Vierheilig. Das Beet wird mit Kompost (drei bis fünf Liter je Quadratmeter) angereichert, dazu kommt etwas Kompost sowie ein Esslöffel Hornmehl direkt ins Pflanzloch sowie weiteres Hornmehl nach sechs Wochen.

Tomaten vorziehenAb März auf der Fensterbank
Tomaten ins Freie pflanzenNach den Eisheiligen im Mai, sobald kein Nachtfrost mehr droht
Tomaten erntenAb Ende August

Expertin gibt Tipps zum Tomatenanbau: Wie oft man Tomaten gießen sollte

Wichtig sind Rankhilfen, um ein Umknicken der später mit schweren Früchten beladenen Pflanzen zu verhindern. Nur kompakt wachsende Balkontomaten benötigen keine Rankhilfe, da sie sortentypisch nur etwa einen Meter Höhe erreichen.

Isolde Keil-Vierheilig von der Gartenakademie der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau (LWG).
Isolde Keil-Vierheilig von der Gartenakademie der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau (LWG). © Karl Josef Hildenbrand/LWG

Vor allem in trockenen Frühjahren wie diesem ist die Wasserversorgung der Jungpflanzen besonders wichtig, damit diese starke Wurzeln entwickeln können, sagt Keil-Vierheilig. Später reiche es völlig aus, nur alle zwei bis drei Tage zu gießen – dann aber kräftig und tiefgründig wässern. Derart gut versorgte Pflanzen sind widerstandsfähiger, bilden tiefere Wurzeln und überstehen so auch Trockenperioden leichter. Von allen Pflegefehlern nimmt die Tomatenpflanze ein Zuviel an Nässe sowohl im Wurzelbereich als auch an Blättern und Früchten besonders übel.

Tomaten können problemlos über Jahre am selben Platz angebaut werden. Vor allem veredelte Sorten gelten als besonders schädlingsresistent, sodass kaum Krankheiten in die nächste Saison „verschleppt“ werden. Allerdings sollte, wenn der Standort nicht gewechselt wird, der Boden alle paar Jahre mit Kompost verbessert werden.

Klein, rot und köstlich: Auf die Tomaten-Sorte „Cupido“ folgte „Delicacy“.
Klein, rot und köstlich: Auf die Tomaten-Sorte „Cupido“ folgte „Delicacy“. © Gisela Busch

Das sagt der Saatguthersteller: Tomatensorten kommen und gehen

Tomatenliebhaber haben oft seit Jahren eine Lieblingssorte für Garten oder Gewächshaus. Doch Sorten kommen und gehen: Auf „Cupido“ zum Beispiel folgte im Jahr 2016 „Delicacy“. Warum das so ist, erklärt Hanna Strotmeier vom Saatguthersteller Nebelung mit seiner Marke Kiepenkerl.

Warum wird eine geschmacklich hervorragende Sorte wie die F1-Hybride „Cupido“ vom Markt genommen?

Da gibt es Gründe ganz unterschiedlichster Art – etwa, weil sie vom Züchter nicht mehr weiter vermehrt wird, weil es bessere Nachfolgesorten gibt oder wegen mangelnder Saatgutverfügbarkeit aufgrund von Ernteausfällen, Krankheiten oder Qualitätsmängel wie schlechte Keimfähigkeiten. Bei „Cupido“ war damals der Grund die Saatgutverfügbarkeit, die zu dem Zeitpunkt nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Hanna Strotmeier vom Saatguthersteller Nebelung
Hanna Strotmeier vom Saatguthersteller Nebelung, der auch die Marke Kiepenkerl vertreibt. © Nebelung

Wie unterscheidet sich die Tomatensorte „Delicacy“ von ihrer Vorgängerin?

Die Tomate „Delicacy“ stammt von einem anderen Züchter und ist eine eigenständige Sorte (also keine Namensumbenennung). Tests in unserem Versuchs- und Vergleichsanbau über drei Jahre ergaben, dass nur „Delicacy“ der Sorte Cupido am nächsten kam, was Geschmack, Ertrag und Wüchsigkeit angeht. Die Früchte sind sogar fünf bis sechs Gramm schwerer – was dem Geschmack aber nicht schadet. Auch bei der Pflanzengesundheit gibt es keinen Nachteil, obwohl „Cupido“ im Vergleich einige Resistenzen mehr hatte.

Warum der neue Name, wo doch „Delicacy“ auf der Samentüte ausdrücklich als „Nachfolgerin von Cupido“ deklariert wird?

Weil es sich hier um eine ganz andere Sorte handelt, ist natürlich der richtige Name auf die Verpackung gekommen (Saatgutverkehrsgesetz). Damit „Cupido“-Fans auf der Suche nach der Lieblingssorte einen Anhaltspunkt hatten, haben wir die Sorte Delicacy als „Nachfolgerin“ deklariert. Ich bin immer noch überzeugt, dass wir damals eine gute Wahl getroffen haben. (Gisela Busch)

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