850 Tonnen Abfall an Autobahnen in Nordhessen

Kassel. Müll, wo man auch hinsieht - entlang der Autobahnen 7, 44 und 49, an den Ausfahrten und auf den Rastplätzen. Teilweise flächendeckend liegt der Abfall am Straßenrand - leere Pappbecher, Flaschen, Tüten, eben alles, was problemlos durch ein heruntergekurbeltes Autofenster passt.

„850 Tonnen Müll sammeln wir jedes Jahr entlang der Autobahnen und auf den Rastplätzen in Nordhessen ein“, sagt Horst Sinemus, Sprecher bei Hessen Mobil. Vor allem im Frühjahr falle der Müll besonders auf. Wegen des Winterwetters könne nicht immer Abfall eingesammelt werden, sodass es im Frühling oft besonders schlimm aussehe. Die karge Vegetation mache den Müll dann noch sichtbarer.

„Eine Schweinerei ist das allemal“, sagt Sinemus. 200.000 Euro Kosten entstünden jährlich für die Abfallbeseitigung und -entsorgung. „Das muss letztlich der Steuerzahler aufbringen.“

Fotos: So schlimm sieht es an den Autobahnen aus

Müll entlang der Autobahnen

Der Löwenanteil fällt auf den Rastplätzen an, sagt Sinemus - 765 Tonnen. Darunter fiele nicht nur Müll, der als legitimer Proviant-Abfall in die bereitgestellten Eimer gefüllt werde. „Manche Leute entsorgen ihren kompletten Haushaltsmüll in die Behälter der Rastanlagen. Und wenn diese voll sind, wandert der Abfall gern mal ins Gebüsch.“

Selbst Großgeräte wie Kühlschränke, aber auch Autoreifen oder Auto-Batterien würden regelmäßig aus dem Unterholz gezogen - „das ist dann Abfall, der von den Straßenmeistereien fachgerecht entsorgt werden muss, was wieder Kosten verursacht“, schildert Sinemus.

Zuständig für die Sauberkeit an den Autobahnen in Nordhessen sind die Autobahnmeisterei Baunatal (A 7 und A 44) sowie die Straßen- und Autobahnmeisterei Gudensberg (A 49). Jedoch werden die Müll-Sammelaktionen entlang der Strecken - sie finden alle zwei bis drei Monate statt - längst von Fremdfirmen erledigt, „weil wir nicht das Personal dafür haben“, sagt Sinemus. Rastanlagen würden dreimal im Jahr gereinigt, die Mülleimer vor Ort wöchentlich geleert.

Der meiste Müll werde nach Kassel in die Müllverbrennungsanlage geschafft. Wirklich problematischer Abfall, der gesondert entsorgt werden müsse, mache den kleinsten Teil aus. Grundsätzlich seien das Wegwerfen von Müll aus dem fahrenden Auto wie auch die Entsorgung größerer Mengen auf Rastanlagen Ordnungswidrigkeiten. Bei kleineren Vergehen droht ein Verwarnungsgeld von 35 Euro, in schweren Fällen drohen Bußgelder bis zu 50 000 Euro.

„Tatsächlich erwischt wird aber nur selten jemand“, sagt Sinemus. Da müsse jemand schon auf frischer Tat ertappt werden. „Oder es müssen sich im Abfall handfeste Hinweise für eine mögliche Täterschaft finden lassen - zum Beispiel Kontoauszüge oder adressierte Briefe. Aber selbst wenn: Das beweist noch lange nicht die eigentliche Tat.“

Von Boris Naumann

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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