Tobias Rompf hat Probleme mit Lesen und Schreiben – Nach Ausbildung bekam er unbefristeten Vertrag

„Topmann“ mit kleiner Schwäche

Gut ausgebildet an der CNC-Fräse: Tobias Rompf programmiert unter anderem die Daten zum Ausfräsen von Metallteilen ein, daneben steht sein Chef Reinhard Orth. Foto: Holscher

Kassel. Die Lese- und Rechtschreibschwäche hat Tobias Rompf schon seit der ersten Klasse. „Ich kann zwar Texte lesen, aber habe Probleme, den Inhalt wiederzugeben“, sagt der 22-Jährige. Seinen jetzigen Arbeitgeber Reinhard Orth von MTO-Metalltechnik störte das nicht. „Das ist mir nie negativ aufgefallen“, sagte Orth, der Tobias Rompf nach seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker im Berufsbildungswerk (BBW) Kassel unbefristet einstellte.

Um jungen Menschen mit Handicap eine Chance zu geben, die nicht direkt auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Stelle finden, veranstaltet die Arbeitsagentur heute eine Fachkräftebörse mit Auszubildenden des BBW. Dort können Unternehmen sich mit potenziellen Mitarbeitern austauschen.

„Tobias ist ein Topmann, mir war gleich klar – der bleibt hier!“, sagt sein Chef Reinhard Orth, der schon häufiger mit dem BBW Nordhessen zusammengearbeitet hat. „Ich habe überhaupt nicht auf irgendwelche Noten geschaut“, sagt er. Nach einem Praktikum habe er Rompf im Februar direkt fest angestellt.

Der Kasseler Tobias Rompf arbeitet nun als einer von 15 Angestellten in dem Betrieb an der Heinrich-Hertz-Straße. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem das Programmieren einer CNC-Fräse. Seine Leseschwäche störte dabei nicht. „Ich bin ja zwei Jahre daran ausgebildet worden“, sagt er. Der Metallbetrieb arbeitet vor allem als Zulieferer für größere Unternehmen.

Über seine Ausbildungszeit im Berufsbildungswerk zieht Rompf ein positives Fazit: „Der Vorteil war, dass die Klassen kleiner waren“, sagt er. Die Klasse sei dabei gemischt gewesen – Körperbehinderte oder andere Auszubildende mit kleineren Schwächen wie er selbst seien dort unterrichtet worden. Die viereinhalbjährige Ausbildung zahlte die Arbeitsagentur.

Wo es beruflich mal hingehen sollte, wusste der 22-Jährige nach dem Hauptschulabschluss erst mal nicht. Nach einem Stärken- und Schwächetest bei der Arbeitsagentur führte der Weg zur Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker ins Berufsbildungswerk. Damit soll aber noch nicht Schluss sein: „Ich will mich weiterbilden“, sagt Rompf. „Warum nicht auch den Meister machen?“, sagt er. Info: Die Fachkräftebörse findet heute von 9 bis 17 Uhr im BBW Nordhessen, Hoffmann-von-Fallersleben-Str. 21, statt. Auszubildende aus verschiedenen Bereichen stellen sich dabei vor.

Von Max Holscher

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