Personalprobleme und Altersgründe sind Ursache

Sie serviert die letzten Torten: Burgfeld Café schließt nach 115 Jahren

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Für ihre Backkunst bekannt: Bärbel Benderoth schließt Mitte Dezember ihr Burgfeld-Café am Mulang.

Die besten Torten Kassels: Bärbel Benderoth vom Café Burgfeld eilt in Sachen Konditorkunst der gute Ruf voraus. Doch nun soll Schluss sein.

Kassel – Nach 115 Jahren schließt das traditionsreiche Café an der Burgfeldstraße. Die letzten Torten werden am 15. Dezember im Café serviert.

In diesen Tagen hört Benderoth einen Satz sehr oft: „Das ist aber schade!“ Ihre Stammgäste bedauern, dass sie sich zum Rückzug ins Privatleben entschieden hat. „Ich schließe aus Altersgründen und weil ich auch nicht mehr ausreichend Personal gefunden habe“, sagt sie. Ihr sei die Arbeit inzwischen einfach zu viel. Sie steht morgens um 6 Uhr auf, um die Torten zu backen, und wirbelt bis 20 Uhr herum. „Früher hat mir das nichts ausgemacht, heute schon.“

Kassel: „Inzwischen arbeite ich seit 51 Jahren hier“

Bereits als 14-Jährige hat sie im elterlichen Betrieb mitgeholfen. „Inzwischen arbeite ich seit 51 Jahren hier.“ Ihre Eltern hatten den Betrieb 1948 auf den Ruinen des ursprünglichen Cafés wieder aufgebaut. Denn die Gastronomie blickt auf eine weitaus längere Geschichte zurück.

Lange Tradition: Das Café wurde 1904 eröffnet. Im Krieg wurde es bis auf die Grundmauern zerstört.

Bereits 1904 wurde das Café am Mulang eröffnet. Nach seiner fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gaben die ursprünglichen Inhaber den Standort an die Eltern von Benderoth weiter. Auf den Grundmauern wurde dann ein Neubau errichtet. Zeitweise führte die Familie neben dem Café sogar eine Kneipe.

Burgfeld Café: Enges Verhältnis zu den Gästen 

Vor knapp 20 Jahren hatte schließlich der angestellte Konditor des Cafés aufgehört. Damals übernahm Benderoth dessen Aufgabe gleich mit. Über all die Jahre hat sie ein enges Verhältnis zu den Gästen aufgebaut. Sie kennt viele namentlich und weiß, was diese am liebsten essen.

Nachkriegszeit: Von 1953 bis 1974 gab es neben dem Café auch eine Kneipe.

Auch wenn sie zu den meisten ein herzliches Verhältnis hat, habe sie zuletzt manchmal auch andere Erfahrungen gemacht: „Einige Gäste haben kein Benehmen mehr. Die sitzen im Café-Garten im Unterhemd oder legen ihre nackten Füße auf den Stuhl. Bei einigen sitzt der Hund mit am Tisch. Und wenn ich dann was sage, bin ich eine Zicke“, sagt sie.

Etliche Reservierungen: Die Torten noch einmal genießen

Für die nächsten Tage gibt es bereits etliche Reservierungen. Viele wollen ein letztes Mal Benderoths Torten genießen. Ganz will sie das Backen nicht lassen: Auf Bestellung werde sie weiter ganze Torten verkaufen. In die Caféräume will sie, nachdem diese in eine Wohnung umgebaut sind, selbst einziehen.

Auch anderorts in Kassel gibt es Veränderungen. Kaum wurde das neue Konzept für die Markthalle Kassel vorgestellt - folgt der Ärger. Die Marktbeschicker setzen sich dagegen zur Wehr.

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