Herabgestuft: Fulda und Oberweser sind weniger wichtige Wasserstraßen

Halten Fulda, Oberweser und Werra in Schuss: Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hann. Münden wie Heiko Schnurbusch. Künftig hat das Amt im weit entfernten Minden am Mittellandkanal das Sagen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Das Konzept von Verkehrsminister Peter Ramsauer für Deutschlands Schifffahrtsverwaltung und die damit verbundene Zukunft von Flüssen und Kanälen könnte man so zusammenfassen:

Überall, wo reichlich Fracht transportiert wird, gibt es auch künftig Geld für Investitionen. Alle anderen fallen hinten runter - Tourismus zählt nicht.

So befindet sich in der förderwürdigen Kategorie A unter Deutschlands Flüssen logischerweise der Rhein, in Kategorie B schafft es noch die Weser bei Bremen. Flussaufwärts, im Bereich zwischen Hann. Münden und Minden, ist auf der Weser nicht mehr viel los, findet das Verkehrsministerium. Und so wird die Bundeswasserstraße als „sonstige Wasserstraße“ herabgestuft.

Betroffen sind auch alle touristisch stark genutzten Berliner Gewässer wie die Havel oder die großen Fluss- und Seenlandschaften in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. So liegt es in Ramsauers Logik, dass auch die Fulda und die Oberweser ihren bisherigen Status verlieren. Die Fulda ist nun auch eine sonstige Wasserstraße, die nach dem Willen des Ministeriums nicht mehr ausgebaut, aber im Bestand erhalten bleiben soll.

An die Formulierung „im Bestand erhalten“ knüpfen all jene, die für Fulda und die Kasseler Schleuse kämpfen, Hoffnungen. Denn traut man der Formulierung, müsste die Kasseler Schleuse erhalten bleiben und dürfte nicht - wie ursprünglich für das Jahr 2016 geplant - stillgelegt werden. Jan Hörmann, Sprecher des Zweckverbandes Kasseler Sportschifffahrt, sagt: „Es hätte noch schlimmer kommen können.“

Andere Fachleute meinen allerdings, dass der Bund für die Fulda nun kein Geld mehr in die Hand nehmen werde. Und so sei es mehr als fraglich, ob noch in die Sanierung der Schleuse investiert wird. Der Kampf für die Schleuse gehe darum weiter, sagt Hörmann. Denn noch wisse niemand, was denn diese Bestandserhaltung bedeute. Klar ist inzwischen, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden, auch zuständig für Schleuse und Fulda, ab Januar 2013 bis 2020 viele Kompetenzen abgeben muss. Die Aufgaben Betreuung und Unterhaltung von Weser, Fulda und Werra wandern in das Amt nach Minden. Das bedeutet, dass Münden nur noch eine Außenstelle von Minden ist.

Ramsauers Neugestaltung der Flusslandschaft erschüttert auch Firmen in Nordhessen und die Freizeitschifffahrt, die darauf angewiesen sind, dass Fulda und Oberweser in Schuss gehalten werden. Die Firma Richter in Hessisch Lichtenau transportiert zum Beispiel auf der Oberweser tonnenschwere Güter. Mit der Formulierung „Bestandserhaltung“ will man sich nicht abfinden. Prokurist Joachim Kraus: „Das ist mir zu schwammig. Wir wollen Klarheit vom Ministerium.“ Und nicht nur Richter braucht die Oberweser: Die Kasseler Firma Alstom Energy plant für dieses Jahr noch drei Transporte auf dem Wasser.

Von Frank Thonicke und Helmut Krischmann

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