Gästekarte: Gute Erfahrungen in Süddeutschland

Touristiker werben für Gratisangebote

Kassel. Aus dem Allgäu und dem Schwarzwald kommen die Vorbilder für eine „Gästekarte GrimmHeimat Nordhessen“, für die das Regionalmanagement die Werbetrommel unter Hoteliers und Pensionswirten rührt.

Bei den Erfindern dieser Vermarktungsform sind Gästezahlen und Umsätze in kurzer Zeit stark gestiegen – ebenso wie die Bekanntheit dieser Urlaubsziele. Das wurde deutlich bei einer Info-Veranstaltung am Montag im Hotel Schweizer Hof.

Die Idee: Touristen bekommen bei der Ankunft an der Rezeption eine Karte, mit der sie den öffentlichen Nahverkehr sowie eine Fülle von Freizeitangeboten vom Schwimmbad über Museen bis zum Tierpark kostenlos nutzen können. Pro Nacht und Gast führen die Hoteliers dafür mehrere Euro in einen gemeinsamen Topf ab. Daraus erhalten die Partner einen gewissen Ausgleich für die Gratiseintritte.

Fürsprecher des Systems sind überzeugt, dass alle Beteiligten profitieren. Durch ein Alles-inklusive-Gefühl und eine hohe Urlaubskostentransparenz sitze bei den Touristen das Geld für weitere Ausgaben lockerer, sagte Referent Philipp Moritz Jünger und belegte das mit eindrucksvollen Zahlen. Der Tourismusfachmann hat an den Gästekarten für Oberstaufen und Hindelang im Allgäu sowie für die Hochschwarzwaldregion für 13 benachbarte Gemeinden mitgearbeitet. Letztere wurde 2011 eingeführt, sogleich seien die Umsätze im örtlichen Tourismusgewerbe um acht Prozent gestiegen. Im Segment der Ferienwohnungen betrage das Plus sogar 23 Prozent – woran man sehe, wie gerade die kleineren Urlaubsquartiere durch eine Angebots-Aufwertung durch die Gästekarte profitieren. Jünger: „Vor allem Familien finden das toll, weil ihre Urlaubskosten gut planbar sind.“ Ute Schulte vom Regionalmanagement Nordhessen meinte, mehr gratis erschließbare Freizeitangebote würden tendenziell auch zu längeren Aufenthalten führen.

„Es entsteht eine Großzügigkeit“, dies würden Touristen spüren und schätzen, sagte Hotelier Klaus Hauber aus Oberstaufen, wo die Inklusiv-Karte 2008 eingeführt wurde. Diese erschließt per Mikrochip nicht nur Bergbahnen und Skilifte, sondern ermöglicht den Gästen – Stichwort Großzügigkeit – sogar kostenfreies Parken überall im Ort.

Falls Nordhessens Beherbergungsbetriebe ein ähnliches System auf die Beine stellen, wären sie mit Blick auf die Gebietsgröße ein Vorreiter mit entsprechendem Vermarktungsvorteil. Regionalmanager Holger Schach sagte, ein solcher Flächenzuschnitt liege schon deshalb nahe, weil man mit dem NVV als Partner eine kostenlose Mobilität in ganz Nordhessen anbieten könne.

Bis zum Mai, so Schach, müssten sich 150 Hoteliers gefunden haben, damit das Projekt wirtschaftlich machbar wäre und 2013 starten könne. Bislang haben etwa 35 Betriebe Interesse bekundet.

Informationen auf www.nordhessen.de/gaestekarte

Von Axel Schwarz

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