Ehemaliger DDR-Produktion

Trabant-Kader-Kassel pflegt und erhält Fahrzeuge

Fototermin auf dem Friedrichsplatz: Peter Kaden, Björn Solbrig, David Menke, Christopher Schimmelpfennig, Tobias Gerlach, Sonja Kaden, Maximilian Reinhold, Jan Reuter und Mario Wagner (von links) gehören dem Trabant-Kader-Kassel an. Fotos: Fischer

Kassel. 11 500 Ostmark hatte Björn Solbrig 1989 - noch vor der Wende - für seinen ersten Trabant bezahlt. Heute besitzt er vier der Fahrzeuge aus der ehemaligen DDR. „Die Liebe zu dem Auto ist geblieben“, sagt er.

Der 44-Jährige, der in Hofgeismar lebt und in der DDR aufgewachsen ist, ist eins von 16 Mitgliedern des Vereins Trabant-Kader-Kassel.

Gegründet wurde der Verein im November 2012 auf Initiative des Kasselers Mario Wagner. Die Trabi-Liebhaber organisieren Ausstellungen, helfen sich gegenseitig bei Wartung und Reparatur der Fahrzeuge und treffen sich zu gemeinsamen Ausfahrten.

Besonders stolz ist Wagner auf seinen Trabant 601 S in der De-Luxe-Version. Er ist gletscherblau mit papyrusweißem (beige) Dach, die Sitze sind mit Kunstleder überzogen. Das Fahrzeug hat eine beheizbare Heckscheibe, Heckwischer sowie eine Lampe, die leuchtet, wenn nur noch acht Liter Benzin im Tank sind.

Björn Solbrig öffnet die Motorhaube seines Kombi-Trabants – ebenfalls De-Luxe. Darunter ist es sehr übersichtlich. Mit dem Messstab, der unter der Haube klemmt, prüft er den Benzinstand. Der Tank fasst 26 Liter und befindet sich im Motorraum. Eine Benzinpumpe gibt es nicht. „Der Treibstoff gelangt per Schwerkraft in den Zwei-Takt-Motor“, erklärt Wagner.

Trabant-Kader-Kassel und seine Fahrzeuge

Es ist unter anderem die einfache Technik, die die Trabant-Fans fasziniert. „Die Fahrzeuge sind zwar wartungsintensiv, aber man kann sie leicht reparieren“, sagt der 53-jährige Peter Kaden aus Trendelburg, der dem Verein ebenfalls angehört. Außerdem liebe er den Klang und den Geruch der Autos. 26 PS treiben den Trabant an, der zu einem Großteil aus Duroplast besteht, einer Mischung aus Baumwolle und Kunststoff. Viele glauben daher, ein Trabi könne nicht rosten. Das stimmt nicht. „Unter dem Plastik ist DDR-Blech verbaut“, sagt Björn Solbrig. Und das sei sehr rostanfällig.

300 bis 400 Kilometer kann man mit einer Tankfüllung fahren, etwa sechs Liter verbraucht das Fahrzeug auf 100 Kilometer. „Auf der Straße sind wir immer ein Blickfang, viele Menschen winken uns zu“, sagt Peter Kaden. Auch diese Erlebnisse schüren seine Leidenschaft für das Auto. Außerdem sei bei einem Trabi nichts unmöglich. „Bei der Fertigung hat man es nicht so genau genommen“, erzählt er. So kann ein Trabant auch mal schneller als die angegebenen 100 Kilometer pro Stunde fahren - oder langsamer. (mkx)

Von Mirko Konrad

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