Traditionskino Kaskade muss Platz für Einzelhandelsgeschäft machen

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Einkaufen mit besonderem Flair: Das Bonner Traditionskino Metropol wurde zu einem Buchladen umgebaut - Vorbild für den Umbau des Kaskade-Kinos.

Kassel. Dem Umbau des denkmalgeschützten Kaskade-Kinos steht nichts mehr im Weg: Die Stadt hat der Eigentümerin der Immobilie am Königsplatz die Baugenehmigung erteilt. Die Aachener Grundvermögen will mit dem Umbau Platz für ein Einzelhandelsgeschäft schaffen.

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Nach dem Zeitplan werden die Arbeiten im Oktober beginnen und zehn Monate dauern. Zuvor können Besucher das Filmtheater aus der Reiss-Ära noch einmal 100 Tage lang in seiner alten Form erleben. Das 1952 nach Plänen von Paul Bode und Ernst Brundig erbaute Kino wird ein Veranstaltungsort der documenta 13 sein (9. Juni bis 16. September). Damit es für die Kunstschau genutzt werden kann, wird eine neue Treppe als zweiter Rettungsweg zum Lyceumsplatz gebaut.

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Nach dem Ende der documenta beginnt der Umbau des Traditionskinos, in das eine waagerechte Decke eingezogen wird. Die Planung hat das Kölner Büro Michael Architekten übernommen. Architekt Thomas Marcel Michael hat bereits das Bonner Metropol-Kino von 1929 zur Buchhandlung umgebaut. Auch in der Kaskade sollen prägende Elemente wie die goldene Decke, die Empore und ein Teil der Sitzreihen erhalten bleiben. Wer in das umgebaute Kino einzieht, ist noch offen. Laut Christoph Schmülling, Leiter der Abteilung Baumanagement und Projektentwicklung bei der Aachener Grundvermögen in Köln, gibt es mehrere Interessenten für die 775 Quadratmeter große Verkaufsfläche. Die künftigen Mieter müssten sich mit ihrem Konzept ein Stück weit dem Denkmalschutz unterwerfen. „Es gibt Interessenten, die das spannend finden“, sagt Schmülling.

Hintergrund

Die Aachener Grundvermögen mit Sitz in Köln ist eine Kapitalanlagegesellschaft. Sie ist 1973 im Umfeld der katholischen Kirche entstanden und bietet Anlagemöglichkeiten in Immobilien-Fonds. Das Unternehmen investiert vor allem im Bereich des n innerstädtischen Einzelhandels. Erklärtes Ziel ist die Stärkung der Innenstädte. Investitionen in große Einkaufszentren auf der grünen Wiese lehnt die Aachener Grundvermögen ab. „In vielen Shopping-Centern wird der Mensch nicht in seiner Ganzheitlichkeit angesprochen, sondern auf seine Funktion als Konsument reduziert. Das kann nicht nachhaltig sein“, heißt es in einer Selbstdarstellung des Unternehmens.

Das Kaskade-Kino stehe nicht umsonst unter Denkmalschutz. „Die Architektur ist ungewöhnlich.“ Wasserspiele Die Wasserspiele vor der Leinwand, die einst die Kinogänger vor jeder Filmvorführung erfreuten, werden allerdings nicht wieder aufleben. Die Anlage ist defekt und offenbar nicht mehr zu reparieren, soll aber erhalten bleiben. Wieviel der Umbau kostet, sagt der Eigentümer nicht. Zurzeit werden Bausubstanz und Statik des ehemaligen Reiss-Kinos untersucht. Die Bausubstanz ist laut Schmülling schlecht. „Das ist der Bauzeit geschuldet“, sagt er. Es sei auch nicht auszuschließen, dass während des Umbaus weitere Schäden sichtbar würden. „Man weiß nie“, sagt Schmülling. Schließlich könne man nicht in alles hineinschauen. Schäden durch Neubau Durch die Bauarbeiten für das benachbarte Modehaus von Peek & Cloppenburg war das Kaskade-Kino in Mitleidenschaft gezogen worden. Bei den Gründungsarbeiten war Zement durch den Boden nach oben in den Kinosaal gedrückt worden. Die Verhandlungen über die Schäden sind laut Schmülling noch nicht abgeschlossen.

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