Träbing ist der einzige geoutete Homosexuelle der Kasseler CDU

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Thomas Träbing

Kassel. Nein, Händchenhaltend würde er mit seinem Partner nicht über die Königsstraße flanieren. Ansonsten geht Thomas Träbing (44) selbstbewusst mit seiner Homosexualität um.

Der Vorsitzende des CDU-Bezirksverbandes Unterneustadt erzählt im HNA-Gespräch, wie es für ihn ist, sich in der Kasseler CDU zu engagieren, die er selbst als „sehr konservativ“ beschreibt. Träbing ist seit 2005 Mitglied der Christdemokraten, seit 2009 Vorsitzender der CDU Unterneustadt und der einzige Schwule, der sich in der Kasseler CDU geoutet hat. Schon einige Male habe er erlebt, dass Leute darüber stutzen, dass er sich als Schwuler für die CDU engagiert. „Der Schwule in der CDU – klar hat’s die konservative Partei damit schwerer.“ Dabei habe sich nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in seiner Partei vieles gewandelt. Er habe jedenfalls noch nie negative Erfahrungen in der Kasseler CDU gemacht. 2010 sei er problemlos in den Kreisvorstand gewählt worden. „Sicher gibt es mal Vorbehalte, aber die kannst du aufklären.“ Bei Schwulenwitzen lache er mit. Und schließlich sei er nicht in die CDU eingetreten, weil er schwul sei, sondern wegen deren Wirtschaftspolitik, sagt der Einzelhandelskaufmann, der früher einen Rewe-Markt in Oberzwehren leitete.

Heute lebt der gebürtige Helsaer am Eichwald in Bettenhausen und bezeichnet sich als Privatier. Wegen eines Burn-outs hatte er seinen Markt abgegeben und lebt von dem Geld, das seine Mietshäuser abwerfen. Obwohl sich Träbing vor allem für Wirtschaftsthemen interessiert, diskutiert er in der Partei auch über die Rechte von Homosexuellen. So manches CDU-Mitglied habe noch Probleme mit einem Adoptionsrecht für Schwule. „Denen geht es um den Schutz der Ehe. Ich finde, Ehe ist da, wo Liebe ist“, sagt Träbing. Seine Liebe heißt Hartmut, ist 53 Jahre alt und arbeitet als Verkäufer bei Rewe. Über die Arbeit hatten sie sich kennengelernt und 2013 kirchlich trauen lassen. Es war die erste kirchliche Trauung eines schwulen Paares in Kassel.

In der Schwulenszene ist Träbing nicht überall beliebt. Neulich sprach er bei einer Demonstration, die sich gegen eine Veranstaltung des Weißen Kreuzes richtete. Der evangelische Verband hatte zu einer Tagung Redner eingeladen, die als „Homoheiler“ in der Kritik stehen. Als Träbing vor den Demonstranten sprach, wurde er ausgebuht. Er hatte gesagt, er halte zwar von solchen Therapien nichts, aber wenn ein Schwuler sich in die Hände eines Heilers begeben wolle, dann solle er es machen. Auch beim Kasseler Christopher Street Day habe er als Redner Pfiffe geerntet. „Das bin ich gewohnt.“ Für die CDU sei sein Engagement dennoch gut. „Es tut der Partei gut, wenn sie auf allen Frequenzen aktiv ist.“ Dabei sei er übrigens nicht allein. Er kenne zwei weitere Schwule, die sich in der Kasseler CDU engagierten, aber bislang nicht geoutet hätten.

Von Bastian Ludwig

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