Einziges Andenken an ihren Vater

Tränenreiche Übergabe: HNA half 81-Jähriger, ihr Erbstück wiederzubekommen

Ende gut, alles gut: Rosel Passarge hatte seit der jüngsten Frühjahrsausstellung auf ihren zur Reparatur an Ulrich Winterott (li.) gegebenen Ring gewartet. Der Schmuckhändler entschuldigte sich.

Kassel/Kaufungen. Rosel Passarge weinte, als sie am Samstag ihren Goldring wieder in ihren Händen hielt. Die 81-Jährige hatte das Erbstück und einzige Andenken an ihren Vater bei der Kasseler Frühjahrsausstellung im März einem Stein- und Schmuckhändler zur Reparatur anvertraut.

Seitdem hatte sie versucht, den Mann zu erreichen. Ohne Erfolg. Nun suchte sie mit der HNA den besagten Händler auf der Herbstausstellung auf.

Die Seniorin blickt auf Monate der Verzweiflung zurück. Sie hatte schnell bereut, ihr Erbstück Anfang März dem Steinhändler Ulrich Winterott zur Reparatur gegeben zu haben. „Aber ich kannte den Mann seit Jahren. Er ist regelmäßig zu den Ausstellungen hier in Kassel“, erzählt die Kaufungerin.

Der Goldring ist für die 81-Jährige von hohem emotionalen Wert. Er erinnert sie an ihren Vater, der kurz nach der Kriegsgefangenschaft 1951 verstarb. Auf den Ehering des Vaters hatte sich die Tochter Jahre später einen Jadestein aufarbeiten lassen, der von Ohrringen stammte, die ihr der Vater 1942 geschenkt hatte. Nach der Flucht aus dem Sudetenland war für Passarge dies die letzte Erinnerung an eine heile Kindheit.

Aus dieser Zeit stammt der Ring: Hochzeit von Passarges Eltern Josef Baumüller und Franziska Sonnberger 1924.

Umso trauriger und wütender war sie, dass der Händler Winterott mit ihrem Ring – auf dem er den Jadestein neu befestigen sollte – scheinbar abgetaucht war. Unzählige Male versuchten die Kaufungerin und Freunde von ihr den Geschäftsmann aus Rheinland-Pfalz zu erreichen. Entweder er ging nicht ans Telefon oder der Anschluss war nicht verfügbar. Als Passarge ihn im Juni ein einziges Mal ans Telefon bekam, vertröstete er die 81-Jährige. Doch wieder vergingen die Monate und so wandte sich Rosel Passarge an die HNA und bat um Hilfe.

Auch die Redaktion konnte telefonisch keinen Kontakt zu dem Mann aufbauen. Alle im Internet angegebenen Nummern sind nicht verfügbar. Also suchte die Seniorin in Begleitung der HNA Winterott auf der Herbstausstellung auf, wo er wieder vertreten ist. Weil er offenbar Wind bekommen hatte von den vielen Versuchen, ihn zu erreichen, hatte er den Ring im Gepäck. Der Händler entschuldigte sich für das Versäumnis. Er habe Probleme mit dem Telefonanschluss gehabt, sagte er. Er habe den Ring keinesfalls unterschlagen wollen. „Wie können Sie einer alten Frau ihren Ring so lange vorenthalten?“, wollte Passarge wissen, die überglücklich war, den reparierten Ring wieder in den Händen zu halten. Darauf fiel Winterott keine Antwort ein. Stattdessen nahm er die Seniorin in den Arm.

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