Gebäude am Lutherplatz soll abgerissen werden - Kulturinitiative muss gehen

Aus für das Trafo-Haus

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Bald ist Schluss: Karsten Winnemuth schließt das Trafo-Haus am Lutherplatz. Die Kulturinitiative geht nach Wehlheiden.

Kassel. Ende einer Ära: Das Trafo-Haus am Lutherplatz hat ausgedient. Die seit elf Jahren dort ansässige Kulturinitiative Trafo um Karsten Winnemuth muss gehen. Am Wochenende ist Schluss.

Die Städtischen Werke wollen das architektonische Zeugnis aus den 1950er-Jahren abreißen und ein paar Meter weiter ein neues Trafo-Haus errichten.

„Es ist ein Abschied mit Wehmut“, sagt Winnemuth. Der 47-Jährige machte das Trafo-Haus, das schon Anfang der 1990er-Jahre für Ausstellungen genutzt worden war, ab 2002 zu einem kulturellen Treffpunkt. Es war ein Ort der Kunst und der Musik, von dem neue Impulse ausgingen. So pflanzte der gelernte Gärtner und Künstler am Trafo-Haus seltene Nutz- und Heilpflanzen wie Yams, Herzgespann und Erdmandel, ließ einen serbischen Künstler mit Besuchern sticken und bot unter anderem der Popgruppe Embryo eine ungewöhnliche Bühne. Die „Essbare Stadt“ mit über 80 verschiedenen Pflanzenarten, die ihre Wurzeln am Trafo-Haus hat, soll wie andere Projekte andernorts fortgeführt werden.

Das Trafo-Haus war ein Ort für Querdenker. Eine Oase an der Ecke Kurt-Schumacher-/Rudolf-Schwander-Straße. Kultur von unten, das Feld bestellen, den Boden bearbeiten - das war Winnemuths Ansatz. Den will er nun in Wehlheiden weiterführen, wo er einen Raum hinter der d:Gallery nutzen kann: die „Wandelbar“. Dass er das Trafo-Haus nicht ersetzen kann, ist ihm bewusst. „So etwas findet man nicht noch einmal“, sagt er. Die Architektur und die Lage „in einer Randzone und doch mitten in der Stadt“ seien ideal gewesen. Gegenüber den Städtischen Werken, die ihm das Trafo-Haus als Kultursponsoring mietfrei überließen, empfinde er Dankbarkeit.

Allerdings sei es am Lutherplatz wegen der Alkohol- und Drogenszene „extrem schwierig“ geworden weiter zu arbeiten. Die Verantwortung dafür, dass nach sieben ruhigen Jahren die Szene für Unruhe sorgte, sieht er bei der Politik. „Für die Kasseler Innenstadt wurde die Szene für vier Jahre am Trafo zwischengeparkt“, sagt Winnemuth. „Wenn das 50er-Jahre-Kleinod nun abgerissen werden soll, geht das Junkie-Jogging, wie es im Szene-Jargon heißt, woanders weiter.“ Dabei biete der Ort zum Beispiel durch Kunst gute Möglichkeiten für integrative sozialarbeiterische Ansätze. „Es müsste nur endlich eine Stelle eingerichtet werden.“

Das von der Netz + Service GmbH der Städtischen Werke betriebene Trafo-Haus ist nach Angaben von Pressesprecherin Heidi Hamdad baufällig. Unmittelbar nach dem Abriss werde am Lutherplatz eine kleinere Anlage gebaut. Denkmalschutz für das Gebäude besteht laut Kassels Denkmalpfleger Heinz Kefenbaum nicht. Allerdings sei der Abriss ein Verlust.

Von Ellen Schwaab

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