Denkmalgeschützter Bau ist Treffpunkt der Drogenszene

Trafo-Haus am Lutherplatz: Abriss verzögert sich

Abbruch steht bevor: Die Trafostation aus den 50er-Jahren wollen die Städtischen Werke abreißen und in der Nähe durch einen wesentlich kleineren Bau ersetzen. Foto: Fischer

Kassel. Die Trafostation am Lutherplatz, die bis vor zwei Jahren von einer Kulturinitiative mitgenutzt wurde, steht vor dem Abriss.

Ein Antrag der Städtischen Werke, das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1950er-Jahren abzubrechen, liegt bereits bei der Stadt vor. Wegen des Denkmal-Status’ dauere die Bearbeitung etwas länger, sagte Stadtbaurat Christoph Nolda (Grüne) am Montag in der Stadtverordnetenversammlung.

Der Nachkriegsbau wird bis heute in einem kleinen Teil von den Städtischen Werken als Trafostation genutzt. Zwischenzeitlich diente er zudem als Kiosk. Von 2002 bis 2013 war das Haus außerdem Heimat der Kulturinitiative Trafo, die dort Ausstellungen und Konzerte veranstaltete.

Nachdem die Städtischen Werke ihre Abrisspläne vorangetrieben hatten, musste die Kulturinitiative im April 2013 weichen. Sie zog nach Wehlheiden um.

Seit zwei Jahren ungenutzt

Dass der geplante Abriss in den vergangenen zwei Jahren noch nicht geschehen ist, erklärte Nolda mit den besonderen Hürden für Denkmäler. Die Städtischen Werke müssten erst nachweisen, dass eine wirtschaftliche Nutzung nicht mehr zuzumuten sei.

Der Energieversorger benötigt zwar in dem Bereich weiter eine Trafostation. Aber um das bestehende Gebäude so umzurüsten, dass es den heutigen technischen Anforderungen entspricht, seien größere Investitionen nötig, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke. Deshalb sei geplant, den Standort aufzugeben und in der Nähe eine wesentlich kleinere Station aufzubauen. „Das ist dann nicht mehr als ein kompakter Kasten“, sagt Pijanka.

Am Dienstag wieder Razzia

Das Areal zwischen der alten Station und der Lutherkirche ist seit Jahren Treffpunkt der Drogenszene. Auf eine Nachfrage der CDU-Fraktion sagte Nolda vor der Stadtverordnetenversammlung, dass das Trafo-Haus wohl kaum schuld daran sei, dass sich die Abhängigen dort versammelten. Gemeinsam mit der evangelischen Kirche, die Eigentümerin des Grundstücks ist, seien Projekte initiiert worden, die sich um die Szene kümmerten. Die aufsuchende Sozialarbeit wird von Stadt und Kirche finanziert. Auch die Polizei macht dort regelmäßig Razzien – auch erst gestern wieder.

Zum Zustand der alten Gräber auf dem Areal, die von CDU-Fraktionsmitglied Dr. Michael von Rüden als verwahrlost beschrieben wurden, sagte Nolda: „Die sechs Ehrengräber werden vom Umwelt- und Gartenamt gepflegt und wurden zuletzt saniert.“ Für die Pflege aller weiteren Grabsteine sei die Kirche zuständig.

Der Lutherplatz war bis 1843 als „Altstädter Friedhof“ der Hauptfriedhof der Stadt. Prominente Persönlichkeiten wie etwa die Grimm-Frauen oder Friedrich Wilhelm I., Kurfürst von Hessen, sind dort beigesetzt worden.

Mehr zum Lutherplatz lesen Sie im Regiowiki.

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