Kassel spielt doch erste Liga

So erleben Fußball-Stars den Trainer-Kongress in Kassel

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Zu Gast beim Trainer-Kongress in Kassel: Eintracht-Frankfurt-Legende Dragoslav Stepanovic (von links), Jens Keller (derzeit arbeitslos), Gerald Asamoah (U 23, Schalke 04) und die ehemalige Frauen-Bundestrainerin Steffi Jones.

In diesen Tagen wird aus Nordhessen das Zentrum des Sports. Beim Trainer-Kongress in der Stadthalle sind zahlreiche Stars. 

Manche haben besondere Erinnerungen an Kassel.

Der Trainer Dragoslav Stepanovic kann sich noch gut daran erinnern, wie es war, als Kassel vor einer großen Fußball-Zukunft stand. 1985 fuhr der Serbe als ganz normaler Zuschauer ins Auestadion, wo der Zweitligist KSV Hessen vor 20.000 Zuschauern spielte. „Für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis der Verein in die erste Liga aufsteigen würde“, sagt der 70-Jährige heute.

Zu Gast beim Trainer-Kongress in Kassel: Eintracht-Frankfurt-Legende Dragoslav Stepanovic (von links), der Mainzer Bundesliga-Coach Sandro Schwarz, die ehemalige Frauen-Bundestrainerin Steffi Jones, Gerald Asamoah (U 23, Schalke 04) und Jens Keller (derzeit arbeitslos).

Stattdessen begann der Niedergang der Löwen, die heute fünftklassig sind. Aus Stepanovic dagegen wurde der Kult-Trainer Stepi, der Eintracht Frankfurt fast zur Meisterschaft führte. Ganz nebenbei gab er in seinem Serbokratisch-Hessisch die amüsantesten Interviews.

Seit Montag ist Stepanovic wieder in Kassel – als einer von knapp 1000 Teilnehmern des Internationalen Trainer-Kongresses, den der Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) bis heute in der Stadthalle ausrichtet.

Nach Kassel geholt hat die Veranstaltung der im vorigen Jahr gestorbene Baunataler Bürgermeister Manfred Schaub (SPD), der stellvertretender BDFL-Vorsitzender war. Für drei Tage ist das Fußball-Niemandsland Nordhessen nun das Zentrum dieses Sports, der eine große Familie ist.

Vom Jugend-Trainer bis zum Bundesliga-Coach Sandro Schwarz – man kennt sich. Stepanovic, auf dessen Akkreditierung nur „Stepi“ steht, grüßt alte Weggefährten in seinem unverwechselbaren Singsang und hört zu, wie junge Kollegen heute trainieren. Aus dem Sport ist eine Wissenschaft geworden.

Am Montag ist Stepanovic zweimal eingeschlafen. Irgendwann war er so müde, dass er bereits um acht ins Bett ging. So hat der Mann, dessen 27 Jahre alte Fußballweisheit „Lebbe geht weider“ immer noch gern zitiert wird, nicht viel gesehen von der Stadt. Dabei hat Kassel Marketing sogar Führungen durch Stadt und Bergpark organisiert – alle ausgebucht.

Über die Infrastruktur der Stadthalle und des Auestadions, wo der Praxisteil stattfand, hört man von den Teilnehmern nur Gutes. Sonderbahnen transportierten die Teilnehmer durch die Stadt. Irgendwie spielt Kassel doch erste Liga. André Breitenreiter, einst Trainer von Paderborn, Schalke und Hannover, war auch von den Restaurants angetan. „Die Gastronomie ist toll“, lobt der 45-Jährige, der in der Saison 2002/2003 beim KSV Hessen kickte.

Wie sein Kollege Jens Keller (einst Stuttgart und Schalke) sucht er gerade einen neuen Verein. Fortbildung kann da nicht schaden. „Auch einer wie ich kann hier noch etwas lernen“, sagt Keller.

Von dem aus Frankenberg stammenden Referenten Philipp Dahm (TSG Hoffenheim), hörten die Teilnehmer etwa den Satz: „Jeder Pass will eine Botschaft haben.“ Wenn der Kongress eine Botschaft hat, lautet er: „Der Trainer ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Gerald Asamoah, 2006 ein Held des WM-Sommermärchens, findet, dass er selbst auch ein bisschen Trainer ist. Dabei lautet seine Funktion bei Schalke 04 „U-23-Manager“. In Kassel hat der 40-Jährige vor allem bei Julian Nagelsmann (RB Leipzig) genau zugehört. Abends war er mit Bernd Schuster (einst Real Madrid) in der Alten Wache am Bergpark essen. Dort haben sie vielleicht darüber geredet, welchen Verein er mal übernehmen könnte. Heute wollen fast alle Trainer werden.

Steffi Jones hat mit dem Leistungssport dagegen erst einmal abgeschlossen. Die ehemalige Frauen-Bundestrainerin, die in Kassel häufig ihre Tante, die Künstlerin Nora von der Decken, besucht, arbeitet heute in einer IT-Firma und ist Co-Trainerin des Landesligisten SSV Buer. Kann man sich das bei Jogi Löw vorstellen? Eher nicht.

Bei Stepi dagegen schon. Der Spaßvogel hat mittlerweile zwei neue Knie. Fragt man den Rentner, ob er nach dem Kongress doch wieder Trainer werden will, antwortet er: „Nationaltrainer, ja. Ich will nicht mehr zweimal am Tag auf dem Platz stehen, aber alle drei Monate wäre okay.“

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