Kasseler Bürger beschweren sich über den Lärm von Straßenbahnen in Kurven und an Steigungen

Straßenbahnen quietschen im Herbst

Nicht auszuhalten: Andreas und Hartmut Peschel (rechts) wohnen an der Virchowstraße. Der Lärm der Straßenbahnen, wenn sie von der gegenüberliegenden Freiherr-vom-Stein-Straße in die Wilhelmshöher Alle abbiegen, ist für sie manchmal unerträglich.

Kassel. Kasseler Bürger fühlen sich zurzeit sehr stark belästigt durch den Lärm, den die Straßenbahnen der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) an Kreuzungen und in Kurven verursachen.

„Bei mir vibrieren manchmal sogar die Gläser im Schrank, wenn die Tram von der Freiherr-vom-Stein-Straße auf die Wilhelmshöher Allee biegt“, sagt Andreas Peschel. Bei seiner Nachbarin vibriere gar das ganze Haus. Laut KVG handelt es sich um ein jahreszeitlich bedingtes Problem.

„Die Straßenbahn quietscht, weil in einer Kurve der Weg des inneren und des äußeren Rades nicht gleich lang ist“, sagt Harald Gerk, Fachbereichsleiter für den Gleisbau bei der KVG. Da reibe Stahl auf Stahl. Unter anderem deshalb habe die KVG 31 Schmieranlagen vor neuralgischen Punkten in Kassel installiert. Herannahende Trams senden Impulse aus und setzen damit die Anlage in Gang. Diese drückt das Schmiermittel durch kleine Löcher auf die Schiene und mindert so das Kurvengeräusch. Aber nicht bei jedem Wetter.

Aufgrund der trockenen Luft könne der Schmierfilm zurzeit nicht seine volle Wirkung entfalten, da er schnell wieder vertrocknet, sagt KVG-Pressesprecherin Heidi Hamdad. Ein Phänomen, das auch an heißen Sommertagen auftauche. Dann seien die Menschen in der Stadt jedoch in Biergärten draußen unterwegs und würden die Geräusche nicht so wahrnehmen.

Doch selbst bei mehr Feuchtigkeit würde jetzt die Wirkung des Schmierfilms verpuffen. Laub auf den Schienen verhindere oft, dass es zum Kontakt zwischen Rad und Schmierfilm auf der Schiene kommt. Hamdad: „Man darf sich das nicht so vorstellen, als würde eine Straßenbahn durch eine Schmierstelle wie durch eine Öllache fahren und den Film anschließend überall verteilen. Das sind Schichten, die ein ums andere aufgetragen werden.“ An Steigungen, wie an der Ecke Freiherr-vom-Stein-Straße / Wilhelmshöher Allee käme noch erschwerend hinzu, dass bei Schmuddelwetter die Fahrer mehr Gas geben müssten, um die Kurve zu nehmen.

Abgenutzte Schienen sieht Hamdad nicht als Grund für den erhöhten Lärmpegel. Dort, wo sie in die Jahre gekommen waren, zum Beispiel hinter der Stadthalle an der Aschrottstraße, seien sie gerade erst ausgetauscht worden. „Und es quietscht trotzdem“, sagt Anwohnerin Ulrike Ehrenberg.

Von Wilhelm Ditzel

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