Nach schwerer Krankheit gestorben

Trauer um Frank Thaldorf: Betreiber des Espresso-Mobils ist tot

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So kannte und mochte man ihn: Frank Thaldorf und seine rollende Espressobar in einem ausgebauten Dreirad, mit dem der Gastronom bei allerlei sommerlichen Kulturveranstaltungen und Geselligkeiten im Raum Kassel auftauchte. Unser Foto vor der Orangerie entstand im documenta-Jahr 2012.

Kassel. Mit seinem feuerroten Espresso-Dreirad war er so etwas wie das Wahrzeichen des Kasseler Veranstaltungssommers: Gastronom Frank Thaldorf ist am Wochenende gestorben.

Thaldorf wurde 65 Jahre alt.

Am Kasseler Kulturzelt, seinem Stammplatz in diesen Sommerwochen, waren die Klappen des Kaffeemobils am Sonntagabend verschlossen. Eine Kerze und ein kommentarloses Foto des allseits beliebten Sommerbotschafters wurden von ungezählten Freunden und Stammgästen verstanden und lösten Trauer und Betroffenheit aus, die in der Netzgemeinde schnell die Runde machten. „Ohne dich werden unsere Sommer ärmer sein“, schrieben etwa die Veranstalter des Kulturzelts auf ihre Facebookseite und sprachen damit vielen Kasselern und Nordhessen aus dem Herzen.

Dass es Frank Thaldorf schon länger nicht mehr gut ging, war vielen nicht verborgen geblieben. Zuletzt ließ er sich beim Espresso-Ausschank oft von seiner Tochter oder seinem Bruder vertreten. War er selbst noch vor Ort, sah man ihn schnurrbart- und schiebermützenlos. Mit seinem ikonischen Äußeren – ein wenig Südfranzose, ein Schuss Paolo Conte – hatte er seine „kulturbegleitende“ Espressobar, wie er sein Angebot nannte, zum überall gern gesehenen Markenzeichen gemacht.

Der Geistes-Kosmopolit, der für jeden ein freundliches Wort hatte, war in allerlei Berufen aktiv gewesen, bevor er in den 1980er-Jahren in die Gastronomie einstieg. Damals bekannte Kneipen wie Grauzone und Lalala, auch heute noch bestehende Lokale wie das Fes und das Café Hahn sind mit Frank Thaldorfs Namen verbunden. Auch den Biergarten auf dem Rondell hatte er zeitweise geführt – bis er im documenta-Jahr 2002 aufs knatternde rote Dreirad umsattelte.

Es hatte ihn schon länger umgetrieben, so erzählte er damals, dass auf Festen im Freien und anderen ambulanten Geselligkeiten um die Jahrtausendwende nirgends ein vorschriftsmäßiger Espresso oder Cappuccino zu bekommen war, sondern „immer nur diese Brühe“. Aus diesem Mangel machte Thaldorf ein sympathisches Geschäftsmodell.

Für gut 15.000 Euro ließ er ein Italo-Vehikel des Herstellers Piaggio zur rollenden Espressobar ausbauen – samt Hochdruck-Hebelmaschine, Mahlwerk und Milchaufschäumer. Immer an Bord: ein kleines Fläschchen fürs „Parfum“, wie Thaldorf den Schuss Grappa auf Extrawunsch ins Espressotässchen augenzwinkernd nannte.

Nun werden andere die sommerliche Kultur in Kassel begleiten. Doch wenn es erst knattert und dann nach starkem Kaffee duftet, werden alle immer zuerst an den Pionier Frank Thaldorf denken.

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