Gerhard Hofmeister (71) hat Walter Giller bei Dreharbeiten in Kassel kennengelernt

Trauer um Krawattenmann: Kasseler kannte Walter Giller

Ein halbes Jahrhundert später: Gerhard Hoffmeister an der Treppenstraße. Das Foto entstand im Sommer. Foto:  Malmus

Kassel. Der Tod von Walter Giller nimmt ihn mit. „Das ist eine wirklich traurige Nachricht“, sagt Gerhard Hoffmeister. Der 71-Jährige, der in Niederzwehren wohnt, hatte eine besondere Beziehung zu dem Schauspieler.

Lesen Sie mehr über Kassel als Filmkulisse im RegioWiki

Er war 1959 bei den Dreharbeiten zu dem Film „Rosen für den Staatsanwalt“ dabei. Der damals 18-jährige Hoffmeister arbeitete an der Rezeption des Hotels Westend (heutiges Hotel Astoria) gegenüber der Friedenskirche. In diesem Hotel wohnte neben Giller auch der Schauspieler Werner Finck, der in dem Film die Rolle des Versicherungsagenten Haase spielte. „Mich hat das alles beeindruckt“, sagt Hoffmeister.

Die Schauspieler und Regisseure, die sich an der Rezeption trafen, und das luxuriöse Flair nach den harten Nachkriegsjahren. „Ich erinnere mich gern an diese Zeit. Jeder war so voller Hoffnung“, sagt er. Walter Giller sei damals schon ein sehr bekannter Schauspieler gewesen. „Er hat sich aber ganz normal benommen, war überhaupt nicht affektiert“, sagt Hoffmeister.

Lesen Sie auch

Schauspieler Walter Giller ist tot

Kassel sei damals der Prototyp einer Stadt der Fünfzigerjahre gewesen. Die Anfangsszenen des Films spielten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das moderne Kassel mit seinen Neubauten bot dazu einen Kontrast. Hoffmeister weiß genau Bescheid über jedes Detail des Films, er hat ihn rund 60-mal gesehen. „Rosen für den Staatsanwalt“ fasziniert ihn bis heute, weil er in seiner Stadt gedreht wurde. Gefilmt wurde auf der Treppenstraße, auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem damals noch Straßenbahnen fuhren, und an der Frankfurter Straße.

Teilweise hat Gerhard Hoffmeister bei den Dreharbeiten zugeschaut. Zuerst habe er die Szene, in der Rudi Kleinschmidt alias Walter Giller von einem Polizisten angesprochen wird, für real gehalten. Später habe er die Kameras bemerkt. Der Film sei der erste gewesen, der sich kritisch mit dem Nationalsozialismus befasste, sagt er. Auch deshalb ist er für Hoffmeister ein echter Kultfilm.

Von Thomas Siemon Und Yvonne Albrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.