Mit 63 Jahren gestorben

Trauer um Ortsvorsteher und HNA-Mundartkolumnist Wolfgang Rudolph

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Starb 63-jährig: Wolfgang Rudolph

Kassel. Wolfgang Rudolph ist tot. Der langjährige Ortsvorsteher im Vorderen Westen und HNA-Kolumnist erlag am Dienstag einer schweren Krankheit. Rudolph, der als Günner in unserer Mundartkolumne einen liebevollen Blick auf seine Heimatstadt und deren Menschen warf, wurde 63 Jahre alt.

Mit ihm verliert Kassel einen Menschen, der sich Zeit seines Lebens für die Gemeinschaft einsetzte.

Wolfgang Rudolph liebte seine Stadt und den Vorderen Westen, wo er geboren wurde und bis zu seinem Tod lebte. Er war hier verwurzelt. Lediglich während seiner Studienzeit war er für ein Jahr nach London gegangen. Nach dem Abschluss in Soziologie, Geschichte und Politik gründete er in Kassel mit anderen Absolventen das Büro für Sozialforschung, in dem er als Soziologe bis Anfang 2012 tätig war.

Liebevoller Beobachter: Als Günner schrieb Wolfgang Rudolph für die HNA.

In seiner Freizeit engagierte sich der Sozialdemokrat zunächst im Vorstand der Stadtteil-SPD, seit 1997 im Ortsbeirat Vorderer Westen, seit 1999 als Ortsvorsteher und seit 2006 auch in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, wo er sich mit seiner Kompetenz hohes Ansehen erwarb. Er beschäftigte sich vor allem mit Stadtentwicklung, der er sich auch in der Ausschussarbeit widmete. Rudolph war zudem unter anderem Mitglied im Kulturausschuss, in der Bau- und Planungskommission, im Denkmalbeirat und im Aufsichtsrat der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel. Als Ortsvorsteher im Vorderen Westen brachte er in seiner stillen, aber beharrlichen Art die Entwicklung des mit 15 000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Kasseler Stadtteils voran. Der Umbau des Bebelplatzes, die Samuel-Beckett-Anlage, das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Bereitschaftspolizei-Gelände, die zusätzliche Straßenbahn-Haltestelle an der Friedrich-Ebert-Straße / Ecke Querallee, der begonnene Umbau von Goethe- und Friedrich-Ebertstraße - diese und viele andere Projekte hat er mit angestoßen und begleitet.

Wolfgang Rudolph engagierte sich in zahlreichen Arbeitskreisen und fehlte an keinem runden Tisch. Die Sorgen der Einzelhändler im Stadtteil nahm er ebenso ernst wie die Nöte der Jugendlichen und der alten Menschen. Er war ein durch und durch sozialer Mensch, für den Gemeinschaft einen hohen Stellenwert hatte. Bis zu deren Tod durch eine Herzattacke 2004 teilte er sein politisches Engagement mit seiner Ehefrau Christa Rudolph, die von 1993 bis 1999 Kasseler SPD-Vorsitzende war. Das kinderlose Paar setzte sich für soziale Gerechtigkeit ein.

Im Diakonissenhaus geboren, aufgewachsen in der Goethestraße 114, kannte Wolfgang Rudolph den Vorderen Westen wie kaum ein anderer. Als passionierter Fußgänger durchstreifte er den geliebten Stadtteil. Als Günner ließ der Beckett-Liebhaber seine Leser auch an einer seiner Reisen nach Irland teilhaben, wo er sich auf die Spuren des Nobelpreisträgers begab. Mit Herz und Humor schrieb er auf Kasselänisch für unsere Zeitung regelmäßig die Mundartkolumne - eine wunderbare Liebeserklärung an einen besonderen Menschenschlag.

Von Ellen Schwaab

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