Martini-Bierproduktion seit 1992 nicht mehr in Familienhand

Trauer um Ex-Brauereichef Helmut Kropf

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Kassel. Im Alter von 79 Jahren ist Helmut Kropf nach längerer Krankheit gestorben. Der frühere Chef der Martini-Brauerei hatte 1982 auch die nordhessenweite Lizenz zur Coca-Cola-Abfüllung nach Kassel geholt.

„Bleibe deiner Heimat treu, trinke Kropf-Martini-Bräu“ – dieses geflügelte Kasseläner Wort war auf Helmut Kropf nicht nur durch familiäre Prägung gemünzt. Seine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimatstadt hat der Unternehmer und langjährige Traditionsbrauerei-Chef auch in vielen öffentlichen und ehrenamtlichen Funktionen gezeigt. Ein Kasseler Urgestein war er allemal. Am vergangenen Donnerstag ist Kropf nach längerer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben.

Damit wird auch ein Schlaglicht auf das Verschwinden von Kassels Brauereigeschichte geworfen: Die Martini-Brauerei A. Kropf war seit 1992 nicht mehr in Kasseler Hand und hat 2015 die hiesige Bierproduktion eingestellt; so wie 1999 schon die frühere Herkules- und spätere Binding-Brauerei an der Hafenstraße.

Bodenständig, von offenem Wesen und überall dabei – diese für die Brauwirtschaft charakteristischen Eigenschaften waren bei Helmut Kropf über das rein Berufsbedingte hinaus ausgeprägt. Ihre Rollen als Geschäftsführer der Brauerei A. Kropf mussten Helmut und sein Bruder Erich Kropf schon früh, in ihren Zwanzigern, übernehmen, nachdem ihr Vater noch nicht einmal 50-jährig gestorben war. Zuvor hatte sich Helmut Kropf einer Laufbahn als Sportskanone gewidmet und es als Mittelstreckenläufer zu mehreren deutschen Jugendmeistertiteln gebracht.

Sportskanone: Helmut Kropf war 1954 und 1955 deutscher Jugendmeister über 400 m. Foto:  Privat

Als Chefs der Brauerei an der Kölnischen Straße war Erich Kropf für die Technik zuständig und Helmut Kropf für den Vertrieb. In dieser Funktion erweiterte er die Firma durch Zukäufe zu einer regionalen Getränke-Unternehmensgruppe, die zu ihren besten Zeiten über 500 Mitarbeiter beschäftigte.

Parallel engagierte sich Kropf auf vielen Ebenen des Gesellschaftslebens. Als Vorsitzender des Verkehrsvereins Kassel, einem Vorläufer von Kassel Marketing, war er mit der Organisation der Bundesgartenschau 1981 befasst. Wenig später wählte ihn die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Kassel zum Vizepräsidenten. Beim Sportverein KSV Hessen führte der frühere Leichtathlet den Verwaltungsrat, er engagierte sich außerdem für den Zissel und den Karneval. Zu den Würdigungen für sein Engagement gehörten das Bundesverdienstkreuz und die Kasseler Stadtmedaille.

1992 verkauften die Kropf-Brüder ihre Brauerei an die Frankfurter Henninger Bräu AG (die das Kasseler Traditionshaus fünf Jahre später an die Einbecker Brauhaus AG weitergab). Nicht betroffen von dem Deal war die Kurhessische Getränke GmbH: Mit dieser Firma, für die Helmut Kropf 1982 die nordhessenweite Konzession zur Coca-Cola-Abfüllung erworben hatte, machte er bis zu seinem Ruhestand als Geschäftsführer weiter.

Als Jäger und passionierter Naturliebhaber sowie beim Golfspielen war Helmut Kropf gern unter freiem Himmel unterwegs, solange ihm dies seine Gesundheit noch gestattete. Er hinterlässt seine Frau Karin, drei Kinder und sieben Enkel. Die Trauerfeier wird nach Angaben der Angehörigen im engen Familienkreis stattfinden.

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