Ehemaliger Finanzamtschef und Kunstförderer 73-jährig gestorben

Trauer um Volker Stockmeyer

Volker Stockmeyer

Kassel. Volker Stockmeyer ist tot. Der langjährige Leiter des ehemaligen Finanzamtes Goethestraße und Vorsitzende der Stiftung „7000 Eichen“ erlag am Dienstag einer schweren Krankheit. Er wurde 73 Jahre alt. Mit ihm verliert die Kasseler Kulturszene einen ihrer aktivsten Vertreter.

Bis zu seinem Wechsel in den Ruhestand 2004 stand der in Hannover geborene und in Westfalen aufgewachsene Jurist 19 Jahre lang an der Spitze des Finanzamtes Goethestraße. Unter seiner Führung war der historische Sitz der Finanzverwaltung, für dessen Erhalt er sich vergebens einsetzte, behutsam saniert worden. Moderne Kunstwerke in den Fluren zeugten von seiner Verbundenheit zur Kunst, in deren Dienst er sich in seiner Freizeit stellte. Einige Jahre später wurde die Kasseler Finanzverwaltung am Altmarkt in einem Neubau zusammengelegt.

Stockmeyer wirkte maßgeblich an der Gründung der Stiftung „7000 Eichen“ durch die Stadt Kassel mit, deren Vorsitz er 2002 übernahm und bis zu seinem Tod innehatte. Er engagierte sich im Vorstand des Kultursommers Nordhessen, im documenta-Forum sowie im Hochschulbund und gehörte viele Jahre dem Vorstand des Kasseler Kunstvereins an. Die Installation des Kunstwerks „Blue Dancer“ über der Fulda hat er ebenfalls mit ermöglicht.

Die Vollendung des Beuys-Projektes „7000 Eichen“ lag ihm besonders am Herzen. Er sorgte dafür, dass das documenta-Kunstwerk im Bewusstsein blieb. Zur Museumsnacht organisierte er Rundfahrten zu den Standorten. Zum 30-jährigen Bestehen erschien auf seine Initiative hin ein Buch mit Aufsätzen und Fotos über das Kunstprojekt, das er als große Bereicherung für die Stadt empfand. Jeder Baum sei ein Gewinn für die Umwelt und die Menschen. Vor einem Jahr war Stockmeyer auch dabei, als die Straße an der Nordseite des Hauptbahnhofs nach Joseph Beuys benannt und dort Bäume gepflanzt wurden.

Seine Leidenschaft galt der Musik, die er mit seiner Liebe zum Reisen verband. Er gehörte den Freunden junger Musiker und dem Förderverein „Bürger pro A“ an. Neben den Reisen zu Kunst fuhr der sportbegeisterte Kunstfreund zum Skifahren nach St. Anton.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen würdigte Volker Stockmeyer als „Mann, der sich als engagierter Verwalter des Beuys’schen Erbes um ein menschliches und ökologisches Kassel verdient gemacht hat“. Auch bei der inzwischen begonnenen, zunächst aber heftig diskutierten Umgestaltung der Friedrich-Ebert-Straße zu einem Boulevard habe er für das neue grüne Band zwischen Stände- und Bebelplatz gestritten. „Die Stadt Kassel dankt Volker Stockmeyer für sein bleibendes Wirken, das wir nicht vergessen werden“, sagte der Oberbürgermeister.

Volker Stockmeyer hinterlässt seine Lebensgefährtin Birgit Debus, drei Kinder und drei Enkelkinder.

Archivfoto: Kasiewicz/nh

Die Beisetzung findet am Freitag, 5. April, 11.30 Uhr, auf dem Westfriedhof statt.

Von Ellen Schwaab

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