Klimawandel

Wegen Trockenheit abgestorben: Trauerbuchen in Kassel müssen fallen

Trauerbuchen an der Weinbergstraße zwischen Landesmuseum (im Hintergrund) und Murhardscher Bibliothek.
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Müssen in Kassel gefällt werden: Zwei Trauerbuchen an der Weinbergstraße zwischen Landesmuseum (im Hintergrund) und Murhardscher Bibliothek.

Über Jahrzehnte haben sie das Bild des Platzes zwischen Murhardscher Bibliothek und Hessischem Landesmuseum mitgeprägt. Nun müssen zwei der Trauerbuchen an der Weinbergstraße gefällt werden.

Kassel - „Zwei 80 Jahre alte Trauerbuchen vor der Landes- und Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel sind leider abgestorben“, berichtet die Stadt Kassel. „Dass aufgrund der letzten heißen und trockenen Sommer auch ältere Bäume auf durchaus guten Standorten absterben, ist bedenklich und in diesem Fall der als Naturdenkmale ausgewiesenen Exemplare besonders schade“, heißt es in der Pressemitteilung.

Tatsächlich häufen sich auch in der Stadt Kassel solche Meldungen. In jüngster Zeit mussten gleich mehrere stattliche Bäume im Stadtgebiet wegen der Schäden durch Trockenheit und Klimawandel weichen (siehe Bericht unten). „Sobald eine Gefahr von einem Baum ausgeht, muss der Eigentümer zeitnah und verantwortungsbewusst handeln.“ Da die Stadt als Eigentümerin der Bäume für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich sei und von diesen die Gefahr herabfallender Starkäste ausgehe oder sogar das Umstürzen der Bäume zu befürchten sei, bleibe eine Fällung alternativlos, betont Stadtsprecher Michael Schwab.

Eine Nachpflanzung der gefällten Bäume ist nach seinen Angaben im kommenden Jahr vorgesehen. Die Fällung der beiden Bäume soll in den nächsten Wochen stattfinden. Die Trauerbuche oder Hängebuche ist eine Zierform der Rotbuche, die in vielen Parks und wegen der Trauerform auch auf vielen Friedhöfen zu finden ist. Nach der Naturdenkmal-Liste der Stadt sind die beiden Trauerbuchen, die nun fallen müssen, Teil einer Vierergruppe, die im Jahr 1940 vor beziehungsweise zwischen Murhardscher Bibliothek und Landesmuseum gepflanzt worden waren. Die restlichen Bäume seien noch nicht beschädigt.

Bäume werden in der Stadt Kassel in der Regel einmal jährlich von Baumkontrolleuren untersucht. Dabei werde besonderes Augenmerk auf die Baumgesundheit sowie die Stand- und Bruchsicherheit gelegt, erklärt die Stadt. Kann die Verkehrssicherheit der Bäume nicht eindeutig geklärt werden, folgen eingehende Untersuchungen mit Geräten, die es ermöglichen, von außen nicht sichtbare Höhlungen oder abgestorbenes Holz im Inneren des Stammes zu erkennen. So wurden auch die Schäden an den beiden Trauerbuchen festgestellt.

Die Trauerbuchen an der Weinbergstraße sind nicht die ersten Bäume, die in jüngster Zeit nach Angaben der Stadt Kassel wegen der Schäden durch Trockenheit und Klimawandel nicht mehr zu retten sind. Auf Anfrage führt die Stadt drei markante Beispiele aus diesem und dem vergangenen Jahr auf:

Schillereiche auf dem Brüder-Grimm-Platz: Im Oktober 2020 teilte die Stadt mit, dass die Schillereiche auf dem Brüder-Grimm-Platz gefällt werden muss. Nach fast 111 Jahren sei von der einst stattlichen Eiche nur noch ein von trockenen Ästen durchsetzter Torso übrig geblieben. Weil die Standsicherheit nicht mehr gegeben war, musste die Schillereiche weg.

Sie stammte aus Marbach, der Geburtsstadt Friedrich Schillers. In Kassel war das Eichbäumchen zu Ehren des Dichters an seinem 150. Geburtstag am 10. November 1909 gepflanzt worden.

Trauerbuche an der Wilhelmshöher Allee: Im Januar musste eine nicht mehr standsichere Trauerbuche an der Wilhelmshöher Allee gefällt werden. Untersuchungen hatten ergeben, dass der über 100 Jahre alte Baum nicht mehr zu retten war. Das Naturdenkmal stand auf Höhe der Wilhelmshöher Allee 275 und hatte noch vor einigen Jahren einen Kronendurchmesser von zwölf Metern.

Baumhaseln auf dem Friedrichsplatz: Im Herbst 2020 mussten drei Baumhaseln auf dem Friedrichsplatz gefällt werden. Die drei stattlichen, etwa sechzig Jahre alten Baumhaseln waren von einem Bakterium befallen, das sie nach und nach austrocknen ließ. Als Ersatz wurden drei Japanische Schnurbäume gepflanzt.

Die beiden Hänge- oder Trauerbuchen, die zwischen Landesmuseum und Murhardscher Bibliothek gefällt werden müssen, gehören zu einer Vierergruppe, die als Kasseler Naturdenkmal eingestuft sind. Mehr als 90 Bäume und Baumgruppen listet die Verordnung zum Schutz der Naturdenkmäler im Stadtgebiet auf. Paragraf 2 besagt: „Die Beseitigung eines Naturdenkmales ist verboten.“ Nach Paragraf 3 bleiben davon aber die von der Unteren Naturschutzbehörde angeordneten Maßnahmen ausgenommen – das gilt auch für die Fällung der Bäume.

(Andreas Hermann)

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