Wegbereiter der Energiewende

Trauerfall bei SMA: Mitbegründer Günther Cramer ist tot

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Günther Cramer

Kassel/Niestetal. Die Region nimmt Abschied von einem großen Unternehmer und Pionier der Solartechnik, einem Visionär und charismatischen Motivator: Günther Cramer.

Aktualisiert
um 12.06 Uhr

Am Dienstag starb nach schwerer Krankheit und nur drei Wochen nach seinem 62. Geburtstag der Mitbegründer und langjährige Vorstandssprecher des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA, Dr. Günther Cramer. Er war das Gesicht des Unternehmens mit heute 5000 Beschäftigten. Der Elektro-Ingenieur ist einer der Wegbereiter der Energiewende. Er trieb sie konsequent und anfangs gegen viele Widerstände voran. Einer seiner Leitsprüche lautete: „Seien wir Realisten und versuchen das Unmögliche“.

Als Cramer nach dem Studium der Elektrotechnik und einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der heutigen Universität Kassel 1981 mit seinen Kommilitonen und Freunden, Peter Drewes und Reiner Wettlaufer, wenig Geld, aber viel Enthusiasmus ein kleines Ingenieurbüro in einer ehemaligen Bäckerei in der Kohlenstraße gründete, ahnte er kaum, was aus dem Drei-Mann-Betrieb werden würde – ein weltweit führender Solartechnik-Konzern, der in der Spitze 6700 Menschen beschäftigte, 1,92 Mrd. Euro umsetzte und unterm Strich 365 Mio Euro verdiente. Dabei hatte Cramer anfänglich nur von einer kleinen Firma mit 100 Beschäftigten geträumt.

Günther Cramer im Regiowiki

Cramer, seine Partner und deren Ziehvater Prof. Werner Kleinkauf erkannten als erste, welch großes Potenzial in der dezentralen und erneuerbaren Energieversorgung steckt. Dazu bedurfte es einer speziellen Leistungselektronik und ausgeklügelter Regelungstechnik, deren Entwicklung der passionierte Hobbysegler maßgeblich nach vorn brachte..

Für seine Verdienste um die erneuerbaren Energien überreichte ihm Bundespräsident Gauck vor gut zwei Jahren den mit 500.000 Euro höchstdotierten Öko-Preis Europas, den Deutschen Umweltpreis. Diese Auszeichnung ist nur eine von vielen, die Cramer, Drews und Wettlaufer und SMA im Laufe der Jahre erhielten.

Der in der Nähe von Köln geborene und in Kassel aufgewachsene Ausnahme-Unternehmer war aber nicht nur als erfolgreicher Geschäftsmann und Techniker ein gefragter Gesprächspartner. Kollegen und Weggefährten schätzten die Begeisterungsfähigkeit und Vitalität, Verbindlichkeit und Loyalität des stets freundlichen und fröhlichen Menschen. Sein soziales, gesellschaftliches und ökologisches Engagement ging weit über das Maß des Normalen hinaus. Cramer, der bis 2011 SMA-Vorstandsprecher und bis zu seinem Tode Aufsichtsratsvorsitzender war, steckte mit seinen Partnern viele Millionen in Stiftungen, die weltweit soziale und Erneuerbare-Energieen-Projekte fördern. Er war Mitbegründer des Kasseler Instituts für dezentrale Energietechnologien (IdE), des Kompetenznetzwerks Deenet, dessen Vorsitzender er bis zum Schluss war, und Präsident des Branchenverbandes BSW-Solar.

Noch vor zwei Jahren sagte Cramer, sein größter Wunsch sei, dass SMA im Sinne der Energiewende weiter erfolgreich am Markt agieren möge. Dies ging nicht in Erfüllung. Cramer musste mitansehen, wie sein Unternehmen in die Krise schlitterte. Das hat ihn unerträglich geschmerzt.

Aktuelle Reaktionen zu dem Tod von Cramer gibt es auf Kassel Live.

Zum Kondolenzbuch der SMA geht es hier.

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