Produkte gehen in alle Welt

Buntpapierfabrik Bähr hat 12.000 verschiedene Artikel

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Laterne zum Basteln: Ingrid Kovacs stellt ein buntes Set zusammen und verpackt es.

Kassel. In der großen Halle der Buntpapierfabrik Ludwig Bähr GmbH & Co. KG herrscht immer Frühling - zumindest was die Farbenpracht angeht. Bastelkarton in allen erdenklichen Farben dominiert diesen Teil der Fabrik.

In den anderen Hallen an der Sandershäuser Straße geht es ähnlich bunt zu. Dort werden vorgefertigte Sets für Weihnachtssterne, Schultüten, Sankt-Martins-Laternen, Geschenkboxen, Tischlichte und vieles mehr beschichtet, geschnitten, gestanzt, eingefärbt, kommissioniert und teilweise verkaufsfertig verpackt - der Traum eines jeden Bastelfans.

12.000 verschiedene Artikel führt der 1820 als Kurz- und Wollwarenhandlung gegründete Papierverarbeiter und -veredler. Die Rohware wird gekauft und in einem Partnerunternehmen bedruckt. Die stets neuen Designs stammen von Grafikern aus dem Hause Bähr. Jedes neue Produkt entwickelt der Bastelspezialist selbst und produziert zu 80 Prozent in Kassel.

„Wir sind umsatzmäßig nicht der größte der Branche, aber der innovativste, und wir haben den größten Qualitätsanspruch,“ betont der geschäftsführende Gesellschafter, Frank Barthel. Der 58-Jährige führt das Unternehmen mit derzeit 125 Beschäftigten in vierter Generation. Sein Urgroßvater Heinrich Barthel, seinerzeit Prokurist bei Bähr, hatte die Fabrik 1901 übernommen. Der heutige Chef hält gut drei Viertel der Anteile, eine Cousine, die nicht im Betrieb ist, den Rest.

Die Geschäfte laufen gut. Jährlich legen die Kasseler Buntpapierprofis fünf Prozent beim Umsatz zu. Elf bis zwölf Millionen Euro sollen es in diesem Jahr werden. Zum Ertrag macht Barthel keine konkreten Angaben. Aber der Umstand, dass das Familienunternehmen trotz einer durchschnittlichen Jahresinvestitionssumme von einer halben Mio. Euro seit 17 Jahren keine Kredite braucht und erhebliche Reserven in der Kasse hat, deutet auf gute Renditen hin. „Seit ich 1979 in den elterlichen Betrieb eingetreten bin, haben wir noch nie rote Zahlen geschrieben“, erklärt der Chef nicht ohne Stolz.

Bähr verkauft seine Produkte an Supermarktketten, Discounter, Drogeriemärkte und Gartencenter, aber auch an Schreibwarengroßhändler und Bastel-Fachgeschäfte. Die Kundschaft sitzt im Inland, im europäischen Ausland und auch in Übersee. 25 Prozent des Umsatz machen die Kasseler außerhalb Deutschlands.

Auf Preiskämpfe mit Billig-anbietern lässt sich Barthel nur ungern ein. Zwar muss er sich der Konkurrenz der fünf deutschen Mitbewerber jeden Tag aufs Neue stellen. Aber bislang gelang es den Kasselern als Premium-Anbieter immer wieder, mit neuen Produkten im Markt zu punkten. Der Chef weiß, warum. „Wir sind der Mercedes der Branche“, sagt der auch sozial engagierte Kunstförderer. „Und das soll so bleiben.“

Hintergrund

Die Wiege des heutigen Unternehmens stand in der früheren Marktgasse 20, die mit der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg verschwand. Sie hat sich einst im Bereich Martinsplatz/Altmarkt befunden.

1872 wurde die Kurzwaren- und Wollhandlung verkauft, das Unternehmen siedelte an den heutigen Standort um und stellte fortan Buntpapier zunächst für den englischen und französischen Markt her. 1928 brachte Bähr als Erster farbigen Plakatkarton auf den Markt. Fünf Jahre später wurde der bis heute gültige Markenname für Bähr-Produkte, Ursus , kreiert – der lateinische Ausdruck für Bär.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik vollständig zerstört und 1948 wieder aufgebaut. 1985 entstand ein kompletter Neubau. Seit dem Einritt von Frank Barthel (1979) hat das Unternehmen eine Vielzahl von Marktneuheiten entwickelt, produziert und erfolgreich am Markt platziert.

Am Firmensitz verfügt das Unternehmen über 10.000 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche. In der Yorkstraße in Kassel sowie in Kaufungen hat Bähr weitere 3000 Quadratmeter Lagerraum angemietet.

Von José Pinto

 

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