Pflanzenverkauf: Kasseler Werkstatt macht behinderte Mitarbeiter fit für den Arbeitsmarkt

Der Traum vom richtigen Job

Sascha Marant

Kassel. Die Sonne lacht. Zeit, den Balkon zu verschönern: Inge und Hermann Eckhardt aus Wolfsanger schauen sich im großen Gewächshaus des Gartenbaubetriebs der Kasseler Werkstatt an der Oberzwehrener Straße um, wo die Geranien mit ihren Rottönen wetteifern. „Wir sind Stammgäste hier“, sagt Inge Eckhardt und sucht zwei kräftige Exemplare aus.

Die Eckhardts gehörten am Samstag zu den zahlreichen Besuchern, die sich zum Auftakt der Saison bei dem Gartenbaubetrieb mit Zier-, Gemüse- und Kräuterpflanzen eindeckten, die dort seit Jahren nach strengsten Vorgaben des ökologischen Landbaus, also ohne Chemie, gezüchtet werden. „Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Wir verkaufen auch auf dem Wochenmarkt und zweimal wöchentlich in unserem Hofladen“, sagte Heinz Richard Klose, Fachbereichsleiter bei der Kasseler Werkstatt.

Die Kunden des Gartenbaubetriebs helfen dabei auch, die Chancen behinderter Menschen zu steigern, auf dem normalen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Die 40 Beschäftigten des Betriebs haben geistige Handicaps und werden von acht Mitarbeitern der Kasseler Werkstatt angeleitet. „Die Arbeit hier macht mir großen Spaß. Wir sind alle mit Leib und Seele Gartenbauer“, sagt Christine Hottenroth, die seit neun Jahren dabei ist. Doch wie die 40-jährige träumen auch andere behinderte Beschäftigte davon, einmal diesen geschützten Arbeitsbereich zu verlassen und einen richtigen Job draußen zu finden. Dieser Traum ist für Sascha Marant dieses Jahr Wirklichkeit geworden. Er pflegt für einen kleinen Gartenbaubetrieb Friedhofsgräber. Das Betriebsklima sei gut. „Ich bin freundlich zu den Kollegen, und die sind freundlich zu mir“, sagt der 25-Jährige.

Die Kasseler Werkstatt betreut mehr als 500 behinderte Beschäftigte und kümmert sich in mehreren Einrichtungen, beispielsweise auch im Metall- und Logistikbereich, um deren berufliche Integration. 30 Mitarbeiter habe man bereits auf Arbeitsstellen außerhalb der Werkstatt vermitteln können, sagt Sozialarbeiter Andreas Schuller, aus dem Bereich Gartenbau seien es allein neun beschäftigte.

Dennoch bleibe es ein schwieriges Geschäft, Menschen mit Handicaps auf dem normalen Arbeitsmarkt unterzubringen. Die Vorbehalte seien noch groß. „Je kleiner der Betrieb ist, desto leichter ist es. Bei großen Betrieben ist es fast unmöglich“, sagt Schuller. Es sei „noch ein ganz langer Weg“ zur vollen Teilhabe Behinderter. (pdi)

Die Kasseler Werkstatt sucht noch Betriebe, die behinderten Menschen Praktikums- oder Arbeitsplätze – auch befristet– bieten. Kontakt: Andreas Schuller, Tel. 05 61/9 52 34 19

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.