Traum von Venedig auf der Haut

Frühjahrsausstellung zeigt Kostüme, die beim Karneval in Italien für Furore sorgen

Kassel. Ein abgesägter Rosenbogen aus dem Baumarkt muss diesmal als Gerüst für ein Kostüm herhalten. Tanja Schulz-Hess widmet es den historischen Gärten Venedigs, der Stadt, an die sie vor Jahren ihr Herz verloren hat. Die Hamburger Hobby-Künstlerin hat das Kostüm eigens für die Kasseler Frühjahrsausstellung entworfen.

Sie freut sich schon darauf, dass auch zehn weitere ihrer fantasievollen Kreationen „mal wieder rauskommen“ und während einer Ausstellung in den Messehallen zu sehen sind.

Vor 15 Jahren begann die zweifache Mutter damit, Kostüme zu „bauen“. Mittlerweile hat sie 45 Verkleidungen kreiert, aus feinstem Organza, alten Gardinen, aus Borten, Spitze oder ausrangierten Alltagsgegenständen, die sie zum Beispiel auf Flohmärkten gefunden hat.

Dabei entwickelte sie eine ganz eigene Technik, denn mit Nadel und Faden hatte es die Mitarbeiterin des „Spiegel“ zunächst vergeblich versucht. Ihre Kostüme, die beim Karneval in Venedig bereits dreimal in Folge den Wettbewerb um das schönste Kostüm gewonnen haben, sind allesamt mithilfe einer Heißklebepistole entstanden. Selbst ihr eigenes traumhaftes Brautkleid hat sie so gezaubert. Und auch kunstvoll aufgetürmte Frisuren und verziertes Schuhwerk werden mit Kleber zusammengehalten.

Rein in den „Goldschatz“: Bettina Richter hilft Tanja Schulz-Hess in das Kostüm, das sie im vergangenen Jahr in Venedig trug.

Rund 30 Stunden braucht sie im Schnitt für solch ein aufwendiges Werk. „Und die Kostüme sind auch nach zehn Jahren noch intakt“, sagt die 43-Jährige stolz. Einzig ihre Fingerkuppen sind durch den heißen Kleber stets etwas lädiert, doch den Spaß an ihrem Hobby verliert sie dabei nicht. Im Gegenteil: Aus aller Welt kommen mittlerweile Anfragen und Einladungen. So wird aus dem Hobby demnächst ihr Beruf werden. Tanja Schulz-Hess bietet beispielsweise Workshops im Kostümbauen an. „Man muss sich von allem trennen, was man vom Nähen weiß“, sagt sie. Wenn die Hamburgerin eine Idee hat, legt sie einfach los.

Nach dem Motto „Geht nicht, gibt es nicht“ hat sie für ihren diesjährigen Auftritt beim Karneval in der Lagunenstadt eine sinkende Titanic kreiert, begleitet von einem Eisberg. Das Titanic-Modell hatte ihr Mann zu Kommunion geschenkt bekommen. Tanja Schulz-Hess wird es inklusive raffinierter Beleuchtung auch bei exklusiven Bällen stundenlang auf dem Kopf tragen. Vorsorglich wird sie schon einmal einen Termin mit ihrer Masseurin ausmachen, denn das Balancieren des schweren Kopfschmucks geht erfahrungsgemäß nicht ohne Nackenverspannungen ab.

Rubriklistenbild: © Koch

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