Göttinger Forscher untersuchten Trichter-Bromelien im Süden von Ecuador

Unbekannte Methanquelle: Bromelien, die in den Baumkronen der Tropenwälder wachsen, geben mehr Methan ab als sie aus dem Boden aufnehmen. Foto: Universität Göttingen/nh

Göttingen. Das Gas Methan trägt aus Sicht der Wissenschaft nach Kohlenstoffdioxid am meisten zum Klimawandel und zur Erderwärmung bei. Die Hälfte der weltweiten Methanemissionen ist natürlichen Ursprungs.

Eine bislang unbekannte Quelle haben Forscher um Prof. Dr. Edzo Veldkamp von der Uni Göttingen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Institutes Marburg entdeckt und untersucht: sogenannte Trichter-Bromelien in den Baumkronen der Bergregenwälder Süd-Ecuadors. Durch ihre Trichterform sind diese Ananas-Gewächse in der Lage, in den feuchten Tropenwäldern Regenwasser und herabfallende Blätter aufzufangen. Dadurch entsteht in den Trichtern der Bromelien ein einzigartiges Feuchtbiotop, das Heimat für Amphibien, Insekten und Mikroorganismen ist. Aus diesem Biotop versorgt sich die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser.

Nachdem die Forscher einen starken Gärungsgeruch in den Trichtern wahrgenommen hatten, führten sie erste Methanmessungen durch und wurden fündig. Weitere Nachforschungen ergaben, dass das Methan über die Blätter der Trichter-Bromelien in die Atmosphäre gelangt. Dabei gibt die Pflanze mehr Methan ab, als durch den Boden wieder aufgenommen wird. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass Trichter-Bromelien aus dem Tieflandregenwald möglicherweise noch mehr Methan produzieren als die im Bergregenwald, so die Wissenschaftler.

Die Pflanzen könnten die Ursache dafür sein, dass über den Regenwäldern Latein-Amerikas erhöhte Methankonzentrationen gemessen werden, für die es bisher keine Erklärung gab, folgern die Forscher. „Die Entdeckung von Methanquellen in den Baumkronen tropischer Regenwälder zeigt, dass wir noch längst nicht alles über dieses einzigartige Ökosystem wissen“, sagt Prof. Veldkamp.

Erderwärmung

Auch die Baumkronen anderer tropischer Wälder könnten Lebensraum für methanproduzierende Mikroorganismen bieten – das wäre eine Erklärung für die weltweit erhöhten Methankonzentrationen über tropischen Regenwäldern. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, die Vorhersagen über künftige Veränderungen der natürlichen Methanemissionen und über die Erderwärmung zu präzisieren.

Die Forschergruppe „Biodiversität und nachhaltige Bewirtschaftung von Bergregenwäldern in Süd-Ecuador“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, hat ihre Ergebnisse in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht. (shx)

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