Aus den USA

Neuer Trendsport: Roundnet findet zunehmend Anhänger in Kassel - Was dahinter steckt

Ein handliches Netz, ein Ball, das ist es schon: Die Roundnet-Spieler Tobias Langer, Carolyn Brinkmann, Jonas Sowa und Nora Haas (von links), die das Spielgerät zur Anschauung in die Kamera halten, schätzen die Offenheit des Spiels.
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Neuer Trend erreicht Kassel: So sieht Roundnet aus

In Kassel ist Roundnet angekommen. Angelehnt ist der neue Trendsport an Volleyball - mit einem hohen Spaßfaktor. Doch was genau ist Roundnet?

Kassel – Wie kleine bunte Inseln sind an diesem späten September-Nachmittag auf der Karlswiese ein halbes Dutzend kreisrunde Netze verstreut. Das sind Sportgeräte von etwa 90 Zentimetern Durchmesser, die auf 20 Zentimeter hohen Kunststoffbeinen stehen. Drumherum springen vier offensichtlich vergnügte junge Leute. Abwechselnd schlagen sie einen kleinen Ball in Richtung Netz. Sie spielen Roundnet, einen neuen Trendsport.

Dabei bilden jeweils zwei ein Team und stehen beim Aufschlag dem gegnerischen Doppel gegenüber. Nach der Angabe kann sich jeder frei bewegen. Es gibt keine festgelegten Positionen. Ziel ist es, den Ball immer wieder zurück aufs Netz zu bringen. Dabei kommt es zu Hechtsprüngen, Bodenkontakt und weiten Laufwegen. Schweißtreibend ist das und bereitet offensichtlich einen Mordsspaß: Es wird herumgealbert und viel gelacht.

Ehe man sich versieht, ist ein weiteres Netz auf der Wiese aufgetaucht, sind neue Spieler hinzugekommen. Ohne Aufsehen, ohne Aufwand. Das Sportgerät ist leicht, gut zu transportieren und ruckzuck aufgestellt.

„Es passiert ganz oft, dass Leute, die wir nicht kennen, vorbeikommen und mitspielen wollen. Das ist cool“, sagt Nora Haas. Und so habe sich inzwischen eine kleine offene Kasseler Community gebildet. Geschätzt hundert Leute seien das, viele Studenten, aber auch Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen und jeden Alters.

Die Treffen in der Aue finden spontan statt, es sind lockere Verabredungen in der Whatsapp-Gruppe. Häufig bleiben Spaziergänger stehen, interessieren sich für das unbekannte Spiel, das in den USA seit 20 Jahren Anhänger hat und seit fünf Jahren auch in Deutschland immer populärer wird. Es ist nicht zu übersehen: Roundnet ist in Kassel angekommen.

Und Roundnet macht süchtig, sagt Haas. Der Wirtschaftsstudent Langer kann das bestätigen. Mehrere Stunden am Stück spielen, bis es dunkel geworden ist, das komme nicht selten vor. Und am nächsten Tag ziehe es einen in der ersten freien Minute sofort wieder auf die Wiese. „Jeder kann mitspielen“, laute die Parole, so Langer. Vorteilhaft sei allerdings eine gute Hand-Auge-Koordination und Ballgefühl.

Neuer Trend vor Orangerie: Roundnet in Kassel angekommen

Freiheit und eine unbeschreibliche Leichtigkeit des Spiels zeichnet Roundnet aus: Es gibt keinen Schiedsrichter, die Teams einigen sich selbst, ob ein Spielzug legitim war oder ein Fehler. „Streitigkeiten habe ich so gut wie nie erlebt“, sagt Haas. „Es ist grundsätzlich ein sehr faires Spiel.“

Die 25-jährige Norddeutsche Haas, die Sport und Spanisch auf Lehramt studiert, ist zufällig auf Roundnet gestoßen: Sie komme vom Fußball, erzählt sie, habe sich aber nach einem Bänderriss davon zurückgezogen und nach einem weniger verletzungsanfälligen Sport mit weniger Zweikämpfen umgeschaut. Beim Surfurlaub in Frankreich habe sie Roundnet-Spieler kennengelernt und sofort Feuer gefangen.

„Wenn man darauf achtet, sieht man plötzlich überall Leute Roundnet spielen.“ Seit Frühjahr 2019 spielt Haas regelmäßig und sei schnell ehrgeizig geworden, sagt sie. Seitdem hat sie fast 30 Turniere bestritten. Und in ihrer kurzen Roundnet-Karriere schon einige Titel errungen: Haas ist Deutsche Meisterin im Mixed, und bei den Europameisterschaften, bei denen im vergangenen Jahr über 150 Teams antraten, kam sie im Frauenbereich auf Rang 3.

Wer einmal angefangen hat, kommt von dem Spiel, das nach ähnlichen Regeln wie Beachvolleyball gespielt wird, so schnell nicht wieder los. Vielleicht gerade weil hier alles frei ist und nicht zu verbindlichen Zeiten in einem Verein gespielt wird. Einzig am Hochschulsport ist Roundnet wie in vielen Städten angedockt. Bei schlechtem Wetter kann dort in der Halle gespielt werden.

„Man sieht hier nur liebe Menschen“, sagt Haas während sie auf die Spielszenerie vor der Orangerie blickt. Sie habe beim Roundnet noch keinen kennengelernt, der ihr unsympathisch gewesen wäre. „War’s das?“, fragt Nora Haas nach einer Dreiviertelstunde Gespräch – plötzlich ungeduldig. „Sonst würde ich nämlich gerne wieder weiterspielen.“ (Christina Hein)

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