Vorsichtsmaßnahme unabhängig von der Wetterlage - Umwege für Berufstätige und Spaziergänger

Kein Schnee mehr - Dennoch: Treppen bleiben weiter gesperrt

So machen es fast alle Spaziergänger: Ute und Harald Bernstein übersteigen die Kette, die den ganzen Winter über die Gustav-Mahler-Treppe versperrt - egal ob Schnee liegt oder nicht. Fotos: Koch

Kassel. Seit drei Wochen liegt im Kasseler Stadtgebiet kein Schnee mehr. Doch noch immer sind wichtige Verbindungstreppen, die täglich von vielen Berufstätigen und Spaziergängern genutzt werden, gesperrt, weil dort kein Winterdienst erfolgt.

Samstagnachmittag, 15 Uhr: Bei strahlendem Sonnenschein zieht es die Kasseler in die Aue. Doch der Spaziergang endet zunächst an der Gustav-Mahler-Treppe, die von der Stadt hinunter ins Grüne führt, denn die ist mit einer Kette abgeriegelt. Daran hängen seit November mehrere Schilder: „Treppe im Winter gesperrt.“

Kaum jemand hält sich an das Verbot. Alle übersteigen die Barriere, auch Gudrun Israel, die täglich durch die Aue einen Spaziergang macht. „Die Kette hätten sie ruhig in den letzten Tagen abhängen können“, sagt die Bewohnerin der Südstadt. Wie viele Passanten kann auch sie nicht verstehen, warum die Kette den ganzen Winter über hängt.

Zuständig für die Treppe wie für die gesamte Aue ist die Museumslandschaft Hessen Kassel (mhk). Deren Pressesprecherin Judith Reitter bestätigt, dass die Treppe „von Winteranfang bis -ende abgesperrt bleibt“ und verweist auf den Serpentinen-Weg, der von der documenta-Halle zur Straße An der Karlsaue führt. Dieser Weg werde bei Schneefall von den Stadtreinigern geräumt. Zur Frage, warum die Kette nicht abgehängt werden kann, wenn über drei Wochen kein Schnee fällt, sagt Reitter: „Es könnte ja über Nacht oder am Wochenende schneien oder regnen und dann gefrieren.“

Verständnis

Auch Ute und Harald Bernstein nehmen lieber die Treppe als den Umweg über die Serpentinen. „Die Treppe ist total sicher, warum nicht?“, sagt Harald Bernstein. Bei Schnee und Eis würde das Ehepaar den geräumten Weg gehen. Dafür, dass die Kette nicht nach Schneelage auf- und abgehängt werden kann, hat Bernstein Verständnis.

Weniger Verständnis für dauerhaft gesperrte Treppen haben die Bewohner der Keilsbergsiedlung in Oberzwehren. Die Treppen am Bahndamm trennen ihre Siedlung vom Bahnhof und den Einkaufsläden auf der anderen Seite an der Altenbaunaer Straße.

Sieben Minuten Umweg

„Ich wohne hier seit zehn Jahren. So lange waren diese Treppen jeden Winter gesperrt“, sagt Wolfgang Kiesel. Da die Sperrkette leicht zu übersteigen war, wurde jetzt sogar ein Gitter angebracht mit dem Hinweis „Kein Winterdienst. Betreten auf eigene Gefahr. Die Stadtreiniger“. Kein Verständnis für den Umweg, den er deshalb nehmen muss, hat Joachim Scharf. Denn auch hier wird auf einen Serpentinenweg verwiesen, der den Bahndamm hoch und zu den Gleisen führt. Doch dieser Umweg dauert sieben Minuten. „Ich gehöre zu der Vielzahl, die morgens keine Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang zum Bahnhof hat, sondern eher knapp unterwegs ist“, sagt Olivia Mosig, die bisher die Absperrung überklettert hat.

Von Wilhelm Ditzel

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