Irrfahrt endete in Treysa

Bahn setzte blinden Mann in Kassel in den falschen Zug

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Aufgrund einer Krankheit seit dem 19. Lebensjahr blind: Uwe Riediger.

Kassel. So etwas hat Uwe Riediger noch nie erlebt: Die Umstiegshilfe der Bahn setzte den blinden Mann am Bahnhof Wilhelmshöhe in den falschen Zug. 

Der blinde 34-Jährige wollte am vergangenen Samstag auf dem IC-Bahnhof Wilhelmshöhe umsteigen. Dafür hatte er im Vorfeld eine Umstiegshilfe von der Bahn beantragt. Der entsprechende Servicemitarbeiter von der Mobilitätszentrale stand auch pünktlich gegen halb fünf am Bahnhof bereit. Die Umstiegshilfe der Bahn setzte den blinden Mann am Bahnhof Wilhelmshöhe aber nicht in seinen Zug in Richtung Paderborn, sondern in eine Bahn in Richtung Frankfurt.

Als der Regionalexpress in Treysa einfuhr, wurde Riediger misstrauisch. Da keine Ansage kam, fragte er Siri, den Sprachassistenten seines iPhones, wo er sich gerade befindet. „Als ich Treysa hörte, bin ich noch schnell aus dem Zug ausgestiegen.“

Ihm entstanden Taxikosten von 110 Euro 

Sich als blinder Mensch auf einem fremden Bahnhof zu orientieren, ist nicht einfach. Noch dazu gab es an dem Halt in der Schwalm keine Mitarbeiter der Bahn, die er hätte fragen können. „Ich traf schließlich durch Glück ein paar Passanten, die mir halfen“, erzählt der 34-Jährige, der in Bad Sassendorf in der Nähe von Soest lebt und eigentlich auf der Rückreise von einem Elternbesuch war.

Die Passanten brachten Riediger schließlich zu einem Taxi. Für 110 Euro ließ er sich zurück nach Kassel chauffieren. Inzwischen war es Abend. Weil es für die Heimreise zu spät war, übernachtete er im Intercity Hotel am Bahnhof Wilhelmshöhe. Dafür musste er noch einmal 158 Euro berappen.

Für den nächsten Tag meldete er wieder eine Einstiegshilfe am Bahnhof Wilhelmshöhe an. Diesmal klappte alles reibungslos und er kam schließlich am Sonntag in seiner Heimat an.

Deutsche Bahn entschuldigte sich für den Vorfall 

Riediger hofft, dass solche Fehler nicht mehr passieren. „Erst hatte mir der Bahnmitarbeiter vorgejammert, dass bei der Bahn momentan einiges schief läuft und dann setzt er mich in den falschen Zug“, erzählt er. Dabei bekomme der Servicemitarbeiter von seinem Arbeitgeber eine schriftliche Information, aus der hervorgehe, zu welchem Zug der blinde Reisende gebracht werden müsse.

Auf HNA-Anfrage entschuldigt sich die Deutsche Bahn für den Vorfall. Der Reisende sei vom Gleis 2 abgeholt worden und auch auf den richtigen Bahnsteig gebracht worden. Weil dort gegenüberliegend Bahnen einfahren, sei der Fauxpas passiert. „Das war ein menschlicher Fehler“, sagt ein Bahnsprecher. Die Deutsche Bahn werde sich mit dem Kunden in Verbindung setzen und auch dessen Kosten für die Taxifahrt und das Hotel übernehmen.

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