Trinker sorgen für Ärger am Wehlheider Platz

Treffpunkt für Trinker: Bei der Hitze hielt sich gestern Nachmittag nur eine Person der Szene, die ein Nickerchen hielt, auf dem Wehlheider Platz auf. Foto: Fischer

Kassel. „Das ist ein Trinkerplatz geworden“, sagt Miroslav Mijalkovic. Der Gastronom, Chef des argentinischen Steakhauses Nais, spricht vom Wehlheider Platz. Seit dem Frühjahr treffen sich dort verstärkt Menschen, die auf den Bänken sitzen und trinken.

Er hätte gar nichts dagegen einzuwenden, wenn die Leute einfach dort nur ein bis zwei Bier trinken würden, sagt der Gastronom. Aber mittlerweile würden seine Gäste und er belästigt. Er rufe fast täglich Ordnungsamt und Polizei an.

Zu Spitzenzeiten hielten sich dort 15 bis 20 Personen aus der Trinker- und Drogenszene auf, sagt Mijalkovic. Gebrüll und Schlägereien seien keine Seltenheit, alle zehn Minuten gehe jemand ins Gebüsch und verrichte dort sein Geschäft. Mitunter kämen Betrunkene auch in sein Restaurant. Kürzlich habe einer gesagt, es sei schön, dass hier „Nazis“ wohnten, sein Großvater sei auch einer gewesen. Statt des Restaurantnamens „Nais“ habe der Betrunkene „Nazi“ an der Tür gelesen, sagt der Gastronom.

„Die gehen oft in die Büsche, weil sie kein Geld für die öffentliche Toilette am Wehlheider Platz haben“, sagt Evelyn Brühning, die im Brunnen-Café arbeitet. In diesem Jahr habe es bereits vermehrt Beschwerden gegeben, auch wegen der frei laufenden Hunde. Brühning sagt aber auch, dass sich die Menschen nicht pampig verhielten. „Die kommen manchmal rein und fragen nach Wasser für ihre Hunde.“ Sabine Göx, die in einem Geschäft am Platz arbeitet, erzählt, dass die Leute gern ihre Bierflaschen im Brunnen kühlen und manchmal dort auch baden. „Die kommen aber nicht zu uns in den Laden, um zu betteln.“ Da werden eher Gäste des Cafés, die auf dem Platz sitzen, angesprochen.

Norbert Sprafke

Die SPD Wehlheiden hatte wegen vermehrter Beschwerden von Anwohnern kürzlich zu einer Versammlung eingeladen. Der Platz sei ein Anlaufpunkt für wohnungslose und durch Sucht gefährdete Frauen und Männer geworden, sagt Ortsvorsteher Norbert Sprafke. Das sorge für Konfliktpotenzial.

Um den Charakter des Platzes zu erhalten, fordere die SPD Wehlheiden deshalb eine Alkoholverbotszone zwischen Stockplatz und Wehlheider Platz. Zudem solle die Stadt Chips ausgeben, damit die öffentliche Toilette auf dem Platz kostenlos genutzt werden könne. Vom ansässigen Einzelhandel wünsche man sich, dass nach 19 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werde, um den Anreiz zu mindern, sich auf dem Platz aufzuhalten. Zudem fordere man eine Anleinpflicht für Hunde auf dem Platz, sagt Sprafke.

Die derzeitige Situation wirke sich auch auf Kunden der Geschäftsstelle der Kasseler Sparkasse aus, sagt Pressesprecher Michael Krath. Deshalb unterstütze das Kreditinstitut Initiativen mit dem Ziel, den Standort Wehlheider Platz aufzuwerten und das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen. (use)

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