Müll und Lärm: Trinker stören Unterricht an Kasseler Berufsschulen

Müll vor den Klassenzimmern: Die Grünanlage vor den Berufsschulen an der Gießbergstraße hat sich zum Treffpunkt der Drogen- und Trinkerszene entwickelt. Fotos (2): Schaffner

Nord-Holland. Die Lage ist ernst an der Paul-Julius-von-Reuter-Schule und der benachbarten Martin-Luther-King-Schule: Der Grünstreifen vor den beiden Berufsschulen an der Ecke von Gießbergstraße und Schillerstraße hat sich zum Treffpunkt der Drogen- und Trinkerszene im Kasseler Norden entwickelt.

Viele der 4000 Schüler fürchten sich inzwischen sogar, auf die Toilette zu gehen.

Heinz Franzbach

Den ganzen Tag halten sich etwa 20 Angehörige der Szene vor den Fenstern der Klassenzimmer auf. Teilweise haben sie Hunde dabei. Dadurch ergeben sich laut Schulleiter Heinz Franzbach (Martin-Luther-King-Schule) und Karl-Friedrich Bätz (Paul-Julius-von-Reuter-Schule) zahlreiche Probleme: „Das Gelände ist völlig verdreckt mit Verpackungen, Bierflaschen und Glasscherben“, sagt Franzbach. Zudem werde der Unterricht durch den Lärm gestört. Es sei auch schon vorgekommen, dass die ungebetenen Gäste das Schul-WC benutzt haben. „Das geht nicht, dass Schüler sich aus Angst vor fremden Männern nicht mehr aufs Klo trauen“, sagt Bätz.

Allerdings zeigen die Schulleiter, die regelmäßig mit den Menschen sprechen, Verständnis für deren Situation. „Sie sind zwar freundlich und zeigen sich vorübergehend einsichtig“, sagt Franzbach. „Weil sie aber offensichtlich nicht wissen, wohin sie sonst gehen sollen, kommen sie immer wieder.“

Grünfläche ist öffentlich

Die Anlage ist öffentlich, seitdem Schüler der Reuterschule 2008 im Rahmen eines von der EU finanzierten Projekts die ehemalige „Hundewiese“ in eine attraktive Grünfläche umgestaltet haben. „Das war Bedingung der Förderung“, erklärt Franzbach. Seitdem sich die Trinkerszene dort aufhält, habe sich das Erscheinungsbild jedoch wieder drastisch verschlechtert.

Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Vorstoß der Stadtreiniger. Sie wollen die ebenfalls stark verunreinigten Papiercontainer neben dem Gelände abbauen. Mehrfach hätten Mitarbeiter dort Exkremente gefunden, sagt Frank Appel von den Stadtreinigern. „Die Situation dort ist nicht mehr zumutbar.“

Ende Februar treffen sich Bätz und Franzbach vor Ort mit Vertretern von Stadt, Polizei, Ordnungsamt und Ortsbeirat. Franzbach hat Ortsvorsteherin Monika Sprafke bereits die Situation rund um die ehemalige Vorzeigefläche in der Nordstadt geschildert. „Es macht mich traurig, was aus dem Platz geworden ist“, sagte Sprafke.

Die Schulleiter erhoffen sich vom anstehenden Gespräch, dass die zuständigen Dezernenten die Dringlichkeit der Situation erkennen. Und: Es müsse endlich ein Aufenthaltsort für die Trinkerszene geschaffen werden. „Allerdings nicht in unmittelbarer Nähe von Schulen“, sagt Franzbach.

Von Sebastian Schaffner

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