Trinkerszene in Kassel: Alkoholiker fühlen sich als Sündenböcke

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Neuer Treffpunkt: Andreas Müller und andere aus der Trinkerszene kommen regelmäßig am Platz an der Ecke Schillerstraße/ Gießbergstraße zusammen.

Kassel. Friedrichsplatz, Stern, Lutherplatz: Die Trinkerszene fühlt sich von einem zum anderen Ort vertrieben. Andreas Müller ist einer aus der Szene, der das Wort ergreift: „Wir haben keine Lobby - für uns macht sich keiner stark.“

Das sagt der Mann im Muskelshirt. Er sitzt mit etwa zehn weiteren Bekannten vor dem kleinen Park, trinkt Bier und ärgert sich über die pauschalen Urteile über die angeblich „so gefährliche Trinkerszene“.

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Bereits zweimal, so Müller, hätten er und einige andere aus der Szene mitgeholfen, den Platz vom Müll zu befreien. Dafür habe ihnen der Schulhausmeister Mülltüten und einen Rechen zur Verfügung gestellt. Ein Problem sei, dass der einzige Mülleimer permanent überfüllt sei und nur selten geleert werde.

Müller kann nachvollziehen, dass sich einige Schüler etwa durch lautstarke Gespräche und Hundegebell beim Unterricht gestört fühlten, aber deshalb hielten er und seine Bekannten jetzt mehr Abstand zum Gebäude.

Was ihn und viele andere in der Szene ärgert, sind die Provokationen von Seiten der Schüler. „Die schmeißen aus den Schulfenstern mit Wasserflaschen, Kreide und Spitzern nach uns“, sagt ein anderer in der Runde. Auch „Ey, ihr Penner, verpisst euch“ habe er sich schon anhören müssen. Wegen derartiger Vorfälle habe er die entsprechenden Schüler schon sanktioniert, sagt Karl-Friedrich Bätz, Schulleiter der Julius-von-Reuter-Schule.

Müller hält den von der Stadt geplanten Trinkraum nicht für die Lösung des Problems. Wenn Trinker und andere Abhängige an einem Ort konzentriert würden, gebe es mehr Stress. Im Sommer wolle sich auch niemand in einen Raum setzen. „Zudem sind wir weitaus angenehmer als die Freier, die abends an der Schule vorbeikommen“, sagt Müller. (bal)

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