Viel Platz für betroffene

Trinkraum-Besucher nehmen Standort in Hansa-Haus an

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Nach hinten gelegen: Der Trinkraum befindet sich im hinteren, zum Hanseatenweg gelegenen Teil des Hansa-Hauses.

Kassel. Zur Eröffnung vor einem Monat gab es Protest, inzwischen hat sich der Betrieb im Trinkraum an seinem neuen Standort im Hansa-Haus eingespielt. In dem großzügigen Raum herrscht eine entspannte und ruhige Atmosphäre.

In kleinen Grüppchen sitzen die Besucher um Tische oder haben es sich auf einem der Sofas bequem gemacht. Es wird geraucht, Bier, Kaffee und Cola getrunken und geredet.

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„Wir sind hier sehr zufrieden“, sagt Jarno Ackermann, der mit seiner Frau Bärbel den Trinkraum im Auftrag der Stadt betreibt. Der neue Raum werde gut angenommen, über den Tag verteilt kämen derzeit 30 bis 70 Leute. Geöffnet ist montags bis samstags von 13 bis 19 Uhr – wie das zuvor auch am provisorischen Container-Standort an der Gießbergstraße der Fall war. Er habe aber den Eindruck, dass viele der Besucher in den neuen ausgedehnten Räumen innerhalb der Öffnungszeit länger blieben, sagt Ackermann.

Anders als zunächst vorgesehen, befinden sich die neuen, etwa 200 Quadratmeter großen Räumlichkeiten nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem marokkanischen Moscheeverein, der im Vorfeld massive Bedenken geäußert hatte – und auch nicht direkt neben dem Ordnungsamt, mit dem viele der Trinkraum-Besucher Berührungsängste haben. Der Zugang zu dem mit Lichterketten, Couchecken und Bildern schon ein wenig wohnlich gemachten Raum erfolgt von der rückwärtigen Seite des Hansa-Hauses.

Gary (48), der seit seiner Jugend ein Alkoholproblem hat, findet den neuen Raum „optimal“. Er biete viel Platz und es gebe genug Ecken, um sich auch mal zurückzuziehen und in geschützter Atmosphäre zu unterhalten. Im Container an der Gießbergstraße sei es bei schlechtem Wetter sehr eng gewesen. „Das war zwar auch gemütlich, aber hier ist es besser“, sagt auch Joline (49). Außerdem gebe es richtige Toiletten.

Der Trinkraum im Regiowiki

Einen Tisch weiter sitzt Olli, 44, und trinkt Bier aus der Dose. Alkohol muss man in den Trinkraum, wo nur nicht-alkoholische Getränke sowie kleine Speisen angeboten werden, selbst mitbringen, Hochprozentiges ist tabu. Er mag die „nette Atmosphäre“ im Trinkraum. Dass sich mal jemand danebenbenehme, habe er noch nicht erlebt. Bei den Treffpunkten auf der Straße – er habe sich früher häufig an der Jägerstraße aufgehalten - sei das manchmal anders. Außerdem: „Auf der Straße wird man angegafft.“ Der Trinkraum hingegen, sagt der 44-Jährige, sei für ihn eine „neutrale Zone“.

Von Anwohnerbeschwerden habe er seit der Eröffnung nichts gehört, sagt Jarno Ackermann. Im Gegenteil, eine alte Dame mit Rollator komme regelmäßig vorbei, um einen Kaffee zu trinken. Sie fühle sich Zuhause oft so allein.

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