Protest aus dem Stadtteil

Kasseler Trinkraum in Hansa-Haus umgezogen

Demonstrierten vor dem Trinkraum: Die Ortsbeiratsmitglieder (von links) Gerhard Liese, Inge Jordan, Marianne Pförtner, Christian von Klobuczynski, Ortsvorsteher Gerhard Franz und der stellvertretende Vorsitzende der SPD Wesertor, Hendrik Jordan. Foto: Schwaab

Kassel. Der Trinkraum ist von der Gießbergstraße an die Kurt-Schumacher-Straße 27 umgezogen. Seit Samstag ist die Einrichtung für alkoholkranke Menschen im Hansa-Haus geöffnet, Montag gab es Protest.

Mitglieder des Ortsbeirats Wesertor und der SPD im Stadtteil machten ihrem Ärger über Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) Luft. Kaiser habe sich mit der Einrichtung des Trinkraums an der Kurt-Schumacher-Straße im Alleingang über die Bedenken aus dem Stadtteil hinweggesetzt und nicht rechtzeitig informiert, kritisierten sie.

„Diese Vorgehensweise ist unerträglich“, sagte Ortsvorsteher Gerhard Franz (SPD). Der Bürgermeister habe das Vertrauen in weiten Teilen der Bevölkerung verspielt. „So kann man mit Bürgern nicht umgehen“, sagte Franz. Bei einem derart sensiblen Thema sei eine breite Öffentlichkeit wichtig. Man wolle weder die Einrichtung noch die alkoholkranken Menschen in Misskredit bringen, die das Angebot in Anspruch nehmen, betonte der Ortsvorsteher.

Mit einem weiteren sozialen Brennpunkt sei dem Stadtteil nicht gedient, sagte Hendrik Jordan, stellvertretender Vorsitzender der SPD Wesertor. Die SPD habe sich bereits im April gegen den Trinkraum im Wesertor ausgesprochen. In den vergangenen Jahren sei viel Geld in den benachteiligten Stadtteil geflossen, um ihn nach vorne zu bringen. „Wir lehnen einen Trinkraum im Stadtteil weiter ab“, sagt Jordan. Dessen Lage sei wegen der Nähe zu einem Spielplatz und der dichten Wohnbebauung in der Nachbarschaft zudem völlig ungeeignet.

Bürgermeister Kaiser sagte auf Anfrage, es sei seit Januar bekannt gewesen, dass der Trinkraum im Wesertor eingerichtet werde. Der genaue Ort habe im September festgestanden. Er habe versucht, sich frühzeitig mit dem Ortsbeirat auseinanderzusetzen. „Überall, wo man einen Trinkraum einrichtet, wird es schwierig“, sagte Kaiser. Aus seiner Sicht habe man eine verträgliche Lage gefunden - auch abseits der Gebetsräume des marokkanischen Vereins.

Der Mietvertrag ist laut Kaiser auf zwei Jahre begrenzt. Die Gründe für die Befristung kenne er nicht. In der Zwischenzeit werde man prüfen, ob man „einen optimaleren Raum“ finde und der bisherige Standort an der Gießbergstraße eventuell weiterentwickelt werden könne. Der Trinkraum war dort bislang in einem Container untergebracht, der aber nicht winterfest war. (els)

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