Kasseler Trinkraum soll bald kommen

Kassel. Die Zeit drängt: Die Stadt will den für dieses Jahr geplanten Trinkraum möglichst bald einrichten. Die Anlaufstelle soll zur Verfügung stehen, bevor die Temperaturen steigen und die Szene verstärkt ins Freie schwärmt.

„Die Saison beginnt früh“, sagt Bürgermeister und Ordnungsdezernent Jürgen Kaiser (SPD). „Wir wollen möglichst früh einsteigen.“

Lesen Sie auch:

-Beete gegen Drogenelend: Kulturinitiative pflanzt auf dem Lutherplatz

-Geplanter Trinkraum soll Drogenszene am Lutherplatz eindämmen

Die Stadt will in diesem Jahr nach Kieler Vorbild einen Trinkraum einrichten, in dem sich die Szene treffen kann. In dem Treffpunkt kann mitgebrachter Alkohol getrunken werden. Allerdings nur Niedrigprozentiges wie Bier oder Wein, hochprozentiger Alkohol wie Schnaps ist tabu. Die Stadt hofft, mit dem Angebot die Probleme mit der Szene auf dem Lutherplatz und an anderen Stellen in der Innenstadt mildern zu können. Trinker und Drogenabhängige, die sich dort mischen, sollen getrennt werden.

Der Trinkraum ist nur ein Teil der Strategie, von der sich die Stadt eine gewisse Entspannung erhofft. Das Angebot für Drogenabhängige soll ebenfalls erweitert werden. Vorgesehen ist, die Öffnungszeiten des Café Nautilus, eines Angebotes der Drogenhilfe Nordhessen, zu erweitern. Im städtischen Haushalt stehen 60 000 Euro dafür bereit. Weitere 100 000 Euro sind für die Einrichtung eines Trinkraums vorgesehen.

Die erste Hürde sei damit genommen, sagt Kaiser mit Blick auf die finanzielle Ausstattung. Allerdings nur dann, wenn das Regierungspräsidium (RP) als Aufsichtsbehörde keine Einwände gegen diese freiwillige Leistung der hoch verschuldeten Stadt erhebe. „Ich brauche die Zustimmung“, sagt Kaiser.

Nach Auskunft von RP-Sprecher Michael Conrad ist kaum zu erwarten, dass das Regierungspräsidium die Ausgabe untersagt. „Zu Einzelpositionen in dieser Größenordnung sagen wir eigentlich nie etwas“, teilte er auf Anfrage mit.

Unterdessen prüft die Stadt, wo ein solcher Trinkraum geschaffen werden könnte und wer für die Betreuung infrage kommt. Nach Kieler Vorbild soll das Angebot so beschaffen sein, dass keine Hürden aufgebaut werden und der Trinkraum von möglichst vielen angenommen wird. Ziel ist, die Szene von der Straße zu holen. Therapieangebote soll es nicht geben, wohl aber feste Regeln, an die sich alle halten müssen. Wer Hilfe haben möchte, soll diese auch in Anspruch nehmen können.

Die Pläne zur Einrichtung eines Trinkraums werden seit einem guten Jahr diskutiert. „Ich habe keinen einzigen Widerstand gespürt“, sagt Kaiser. Allerdings sei bei einem neuartigen Angebot ein langer Atem nötig. Er sei auf die Reaktionen gespannt, wenn ein Standort für den Trinkraum gefunden sei. Archivfoto: Herzog

Von Ellen Schwaab

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.