Geplanter Trinkraum soll Drogenszene am Lutherplatz eindämmen

Kassel. Die Stadt will im nächsten Jahr einen Trinkraum für die Alkoholszene einrichten und die Angebote der Drogenhilfe erweitern. Bürgermeister und Ordnungsdezernent Jürgen Kaiser (SPD) hofft, die Probleme auf dem Lutherplatz damit in den Griff zu bekommen.

Ziel sei, die zum Teil massiv auftretende Szene zu entflechten, sagte Kaiser gestern in seiner angekündigten Stellungnahme.

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Zeitweise treffen sich auf dem Lutherplatz 40 bis 50 Alkoholiker und andere Abhängige. Anwohner und Kirchengemeinde klagen über Müll, Gegröle und Gestank. Nicht wenige fühlen sich bedroht. Ein Trinkraum nach Kieler Vorbild, in dem die Besucher mitgebrachten Alkohol außer Hochprozentigem trinken dürfen, könne die Situation verbessern, sagte Kaiser. „Aber nicht lösen.“ Trinker und Drogenabhängige im öffentlichen Raum seien ein gesellschaftliches Problem, das nicht aus der Welt zu schaffen sei. „Ich gehe aber fest davon aus, dass es eine Entspannung gibt.“

Zu den Befürwortern zähle auch Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne). Ob der Trinkraum kommt, entscheiden die Stadtverordneten. Trägerschaft offen Wo dieser Raum entstehen soll, wer die Trägerschaft übernimmt und was er kostet, ist laut Kaiser noch offen. Das Angebot müsse aber zentral gelegen und attraktiv sein, damit es angenommen werde. Mögliche Größenordnung: 100.000 bis 200.000 Euro. Die gleiche Summe soll 2012 für erweiterte Angebote der Drogenhilfe bereitgestellt werden.

Viele Hilfen seien in der Vergangenheit heruntergefahren worden, sagte Kaiser. Das Café Nautilus zum Beispiel sei nur dreimal in der Woche halbtags geöffnet. Es soll künftig fünfmal seine Türen öffnen und einem Teil der Szene, zu der 200 Menschen zählen, eine Alternative bieten. Kaiser verwies zudem auf Vereinbarungen mit der Kirchengemeinde, die bereits vor einiger Zeit getroffen wurden und zur Entspannung beitragen sollen. Dazu zähle der verstärkte Einsatz von Ordnungskräften bei Veranstaltungen des Evangelischen Forums. „Das ist sehr anstrengend, aber wir machen es.“ Obwohl der Lutherplatz kirchliches Areal sei, habe die Stadt sie in ihren Pflegeplan einbezogen und ein Toilettenhäuschen dort aufgestellt. „Wir sind bemüht, im Sinne der Kirche zu agieren“, sagte Kaiser. Man werde auch größere Mülleimer aufstellen.

Laut Uwe Schwarz, Sachgebietsleiter Sonderdienste, sehen Fußstreifen des Ordnungsamtes drei- bis fünfmal am Tag auf dem Lutherplatz nach dem Rechten. „Die Szene will sich in einem stressfreien Raum treffen“, sagte Michael Bub, Jugendschutz- und Drogenbeauftragter des Jugendamtes. Deshalb werde sie die Angebote auch annehmen. Man werde verstärkt auf die Szene zugehen und auf Tageseinrichtungen verweisen. Der Vorschlag, eine optische Trennlinie zwischen der Szene rund um das Trafohaus und der Lutherkirche zu ziehen, sei als Hilfe gedacht gewesen, sagte Kaiser . „Es ging nicht darum, dass sich die Kirche verschanzt.“ Der Bauzaun sei nur ein Sinnbild für eine solche Trennlinie gewesen.

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