Von Schumacher-Straße an den Grünen Weg

Trinkraum soll ins Schillerviertel - Verein suchte vergeblich nach Alternativen

Neuer Standort: Am Schaufenster des Landelokals am Grünen Weg kleben noch Zettel mit Vermietangebot über 180 Quadratmeter und 100 Quadratmeter Keller. Foto: Dilling

Kassel. Der Trinkraum für Drogensüchtige und Alkoholabhängige im Hansa-Haus an der Kurt-Schumacher-Straße zieht voraussichtlich noch im Herbst ins Schillerviertel um: Neuer Standort soll ein seit längerem leerstehender Laden am Grünen Weg 4 werden.

Diese Pläne stellten Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) sowie Bärbel und Jarno Ackermann vom Verein „Szene direkt“ am Donnerstagabend im Ortsbeirat Nord-Holland vor.

Wie berichtet, wird der Verein „Szene direkt“, der den Raum bereits jetzt betreut, die Aufenthaltsstätte für Abhängige ganz in eigener Regie übernehmen. Der Mietvertrag mit dem Besitzer soll demnächst unterzeichnet werden und werde zunächst bis Ende kommenden Jahres befristet sein, teilten sie im Ortsbeirat mit.

Das Gremium drängte darauf, unverzüglich die betroffenen Anwohner über die neuen Mieter zu informieren. Kompromissloser Widerstand gegen den neuen Standort blieb in der Diskussion aus, es gab sowohl wohlwollend, als auch kritische Stimmen und vielfach geäußerte Skepsis.

Bärbel Ackermann hatte zuvor berichtet, dass der Verein lange auch woanders nach citynahen Standorten gesucht habe. Aber alle angesprochenen Hauseigentümer hätten abgewinkt. Man sei froh, dass sich nun wenigstens ein Vermieter gefunden habe. „Kein einziger Bürger will einen Trinkraum vor seiner Haustür haben“, sagte Bürgermeister Kaiser.

Der Trinkraum, ein in Hessen bisher einmalige – aber hier auch immer wieder umstrittenes – Pilotprojekt ist sein eindreiviertel Jahren im Hansa-Haus angesiedelt. Gegen diesen Standort hatte sich vor allem der Ortsbeirat Wesertor vehement gewehrt. Der Mietvertrag läuft Ende September aus, eine Verlängerung ist nicht möglich. Bis zu 70 Klienten hielten sich im Winter dort auf, sie würden mit Kochen, Nähen und Malen beschäftigt, sagte Bärbel Ackermann. Entgegen ihren eigenen Befürchtungen habe es wenig Probleme mit Lärm oder Schlägereien gegeben. Die Süchtigen seien froh einen Treffpunkt im Trockenen zu haben.

Der nun anvisierte Standort befindet sich in einem sozialen Brennpunkt. Das von Abhängigen besuchte Café Nautilus ist in der Nähe, der Lutherplatz, auf dem die Polizei schon eine Reihe von Razzien gegen Drogensüchtige unternommen hat, ist nur einen Steinwurf entfernt. Auch die Schillerstraße und das Umfeld der dortigen Berufsbildenden Schulen ist als Szenetreffpunkt bekannt.

„Die Kommunalwahlen stehen vor der Tür, wie sollen wir das unseren Wählern erklären“, sagte Doris Perger (CDU). Man werde vor vollendete Tatsachen gestellt, das Schillerviertel habe schon genug soziale Brennpunkte. Der Verein müsse mit den Nachbarn und den Schulen reden, meinte Ortsvosteherin Monika Sprafke (SPD).

Karte: Hier ist der neue Standort geplant

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