Ziel ist Vergleich bis zum Herbst

Streit über Trinkwasserversalzung: Thüringer Gemeinde Gerstungen spricht mit K+S

Gerstungens Bürgermeisterin Sylvia Hartung und K+S-Vorstand Dr. Burkhard Lohr wollen die jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen der Thüringer Werra-Gemeinde und dem Kasseler Kalikonzern beilegen.

Ziel ist ein Vergleich bis zum Herbst. „Es ist richtig, jetzt gemeinsam mit K+S über Lösungen für unsere Trinkwasserversorgung zu sprechen“, sagte Hartung gestern laut gemeinsamer Presseerklärung.

„Wir suchen den vertrauensvollen Dialog, um mit der Gemeinde Gerstungen einvernehmliche Lösungen zu erzielen“, ließ Lohr mitteilen. „Ich bin davon überzeugt, dass die heimische Kaliproduktion und Fragen des Umweltschutzes miteinander vereinbar sind.“

Sylvia Hartung

Hartung, seit Juli 2016 Rathauschefin, und Lohr, im Mai 2017 an die K+S-Spitze gerückt, wollen von der harten Gangart ihre Vorgänger Werner Hartung und Norbert Steiner wegkommen. Seit mehr als zehn Jahren tobte der Streit zwischen dem Gerstunger Rathaus und der Kasseler Konzernzentrale über Versenkung von Salzabwässern, die Belastung der Werra mit der Flut aus Kalifabriken und von den Halden, die Sorge um zunehmende Belastung von Trinkwasserbrunnen mit Salzlauge, die aus Deponieräumen in der Tiefe in Grundwasserzonen nach oben zurücksteigen.

Regelmäßig ging die Thüringer Gemeinde beim Kasseler Verwaltungsgericht gegen Einleit- oder Versenkgenehmigungen des Regierungspräsidiums Kassel vor – letztlich ohne Erfolg. Zum Strafprozess gegen K+S-Manager und Mitarbeiter des Thüringer Landesbergamtes wegen Gewässerverunreinigung kam es nicht – die Anklage ließ das Landgericht Meiningen nicht zur Hauptverhandlung zu.

Burkhard Lohr

Ob Gerstungen im Licht kommender Gespräche anhängige juristische Schritte gegen K+S einstellt – dazu wollte sich Bürgermeisterin Hartung gestern nicht äußern. Auch nicht zu möglichen Wegen, Gerstungen aus dem Dilemma mit salzigen Trinkwasserbrunnen zu holen. Helfen Ersatzbrunnen, der Anschluss an die Fernwasserversorgung vielleicht? „Es ist zu früh, über Inhalte zu sprechen“, hieß es von beiden Seiten.

Geld dürfte beim Vergleich eine wichtige Rolle spielen: Der juristische Kampf ums Trinkwasser habe seit 2007 pro Kopf und Jahr 2,90 Euro gekostet, wurde Gerstungens Einwohnern noch 2015 von der Gemeinde vorgerechnet. „Bei einer Umstellung auf Fernwasser wären geschätzte Investitionskosten von 20 Mio. Euro erforderlich. Auf 50 Jahre gerechnet, müsste sich das Wasser um 1,50 Euro pro Kubikmeter verteuern.“

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