Forstamt beklagt Folgen des Klimawandels - Pflanzen eingegangen

Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen - Gärtner an die Gießkannen

Kassel. Der mangelnde Regen der vergangenen Wochen bereitet nicht nur den Bauern Sorgen. Auch der Wald leidet unter der Trockenheit, die ausgerechnet zu Beginn der Wachstumsperiode eingesetzt hat. Im Habichtswald führen die Bäche weniger Wasser; frisch gepflanzte Bäume drohen zu vertrocknen.

Insbesondere der April sei viel zu trocken gewesen, erklärt Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen. Üblicherweise bringe das Aprilwetter zwischen 50 und 100 Millimeter Regen pro Quadratmeter. In diesem Jahr seien stellenweise nicht einmal zehn Millimeter gefallen. Der Oberlauf der Ahne ist schon jetzt trocken.

„Die jungen Bäume, die wir bereits gepflanzt haben, stehen wegen des fehlenden Regens unter enormem Stress“, sagt Zindel. 70 000 Bäume, vor allem Douglasien und Tannen, aber auch Ahorne, Eichen und Erlen will das Forstamt in diesem Frühjahr pflanzen.

Um auf die Trockenheit zu reagieren, lagern die Förster die jungen Bäume an zentralen Stellen im Wald zwischen, wo sie regelmäßig bewässert werden. „Bis zu zwei Monate können wir so überbrücken“, sagt Zindel, „aber die Pflanzen leiden natürlich, wenn sie nicht bald eingesetzt werden.“

Die Trockenheit im März und April setze einen Trend der vergangenen Jahre fort. Dadurch seien zuletzt ungewöhnlich viele neu gepflanzte Bäume eingegangen, sagt Zindel. Sie müssten sich erst im Boden verankern und seien entsprechend empfindlich.

Er sieht den ausbleibenden Niederschlag als Auswirkung des Klimawandels. Das Forstamt pflanze deshalb statt Fichten nur noch Douglasien, die besser an das veränderte Wetter angepasst sind.

Sollte sich die Entwicklung aber noch verschärfen, könne sich der Wald in den kommenden 50 bis 100 Jahren deutlich wandeln, sagt Zindel. Gerade die Buche, die das Bild des Habichtswalds prägt, sei auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen.

Von Marcus Janz

Gärtner an die Gießkannen

Junge Kulturen müssen in derzeitiger Trockenperiode zusätzlich gewässert werden

Die Mission der Hobbygärtner heißt in diesen Tagen Gießkannen schleppen. Denn vor allem frisch gesetzte und ausgesäte Pflanzen dürstet es jetzt nach Wasser, das von oben ausbleibt. Und auch in den nächsten Tagen ist so gut wie kein Regen in Sicht. „Unsere Flächen sind ja überschaubar“, sagt Reinhold Six, der Vorsitzende des Kleingärtnerverbands Kassel Stadt und Kreis. Deshalb halte sich das Jammern seiner Vereinsfreunde auch in Grenzen. Viele Regentonnen seien vorsorglich gefüllt und zur Not greife man auch zum Gartenschlauch und wässere aus der Wasserleitung. Viele Pflänzchen befänden sich zudem noch im Gewächshaus.

Mit der Gießkanne freilich können Landwirte und Gartenbaubetriebe auf ihren großen Flächen nichts ausrichten. Damit frisch gesäte oder gepflanzte Gemüsesorten wie Spinat, Radieschen oder Möhren eine Chance haben, müssen die Felder gewässert werden, sagt Claudia Bauer, die den gleichnamigen Gartenbaubetrieb in Schauenburg zusammen mit ihrem Mann Frank bewirtschaftet. „Alles, was flach wurzelt, ist bei Trockenheit ein Problem“, erläutert sie. Durch den höheren Wasserverbrauch werde diese Gartenbausaison sicher teurer werden. Die von vielen sehnlich erwartete Erdbeerernte - etwa Mitte Juni - habe indes eine ganz gute Chance, vor allem auf den Feldern, die bereits seit zwei bis drei Jahren stehen. Wenn es in diesen Tagen aber noch einmal richtigen Bodenfrost gibt, könnten die Blüten allerdings Schaden nehmen.

Schwere lehmhaltige Böden haben zurzeit meist noch genügend Feuchtigkeit gespeichert, um Obst- und Gemüsepflanzen zu versorgen. Pflanzen mit tieferen Wurzeln haben deshalb auch bei oberflächlicher Trockenheit noch kein Problem, sagt Hans-Jürgen Borneis von der Hessischen Gartenakademie beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Bei jungen Kulturen und Aussaten sowie frisch gepflanzten Blumen und Stauden freilich geht es nicht ohne Gießkanne und Gartenschlauch.

Glücklicherweise sind nach einigen Regengüssen wenigstens die Regentonnen meist noch gut gefüllt. Und manch einer hat mit Blick auf den voraussichtlich ebenfalls trocknen Sommer vorsorglich schon weitere Regenspeichergefäße aufgestellt. (hei/chr)

Das Gartentelefon der Hessischen Gartenakademie ist montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 16 Uhr unter der Rufnummer 0 18 05/72 99 72 (14 Cent pro Minute bei Anruf aus dem Festnetz der Telekom) zu erreichen.

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